Vertrauen

Lady Paula war gesundheitlich nicht gut drauf, sie hatte ein kleines Problem. So kam es, dass wir zu unserer Tierärztin fuhren, alleine das ist schon eine unglaubliche Aktion, sie einzufangen und in die Tragebox zu setzen. Sie hasst das, wehrt sich mit Händen und Füßen Pfoten und Krallen (dementsprechend sehen meine Unterarme zur Zeit aus) und regt sich zudem fürchterlich auf. In diesen Momenten wachse ich immer über mich selbst hinaus :-)

Und so kam es, dass die Tierärztin Lady Paula ein Medikament verordnete, welches ich ihr morgens und abends mithilfe einer Pipette in ihr Mäulchen geben sollte. Ich hab’s versucht, ganz tapfer und mit zusammengebissenen Zähnen habe ich sie eingefangen und in einen bestimmten Griff gezwungen, aus dem sie sich nur schwer befreien kann, habe ich ihre Attacken mit Hinterläufen und Krallen ertragen, ich will ja, dass meine Kaninchendame gesund ist.

Das Ergebnis war, dass sie am dritten Tag einen Angstschock hatte (das ist bei Kaninchen eine bestimmte Reaktion auf Ereignisse oder Situationen, in denen sie sich fürchten) und ich mir dachte, so geht das nicht. Jetzt bekommt sie ihr Medikament ins Trinkwasser, und es scheint ihr wirklich besser zu gehen, denn das Fell ist wunderschön weiß und glänzend und die Augen sind wieder groß und lebendig. Außerdem denkt sie, sie sei ein ganz junges Kaninchen, was ja nun wirklich nicht mehr der Fall ist.

Nur eins ist geschehen: Lady Paula hat ihr Vertrauen in mich verloren. Betrete ich das Zimmer, wo der Käfig ist, drückt sie sich in die hinterste Ecke und fängt vor Angst, ich könnte sie wieder packen und bezwingen, an zu fauchen und mit den Vorderläufen zu schlagen. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sie wieder zu ihrer Zutraulichkeit zurückgefunden hat.

Manchmal wollen wir unsere Freunde, Partner, die Menschen in unserem Umfeld zu etwas zwingen oder überreden, was sie nicht wollen, und wobei sie sich unwohl fühlen, nur weil wir selbst der Auffassung sind, es sei zu ihrem Besten.  Zugegebenerweise geht es zum Beispiel bei der Kindererziehung manchmal nicht anders, jedoch kommt es dabei auf Art und Weise an, wie man so etwas angeht.

Bin ich selbst betroffen und jemand will versuchen, mich zu etwas zu zwingen, wovon ich in keinster Weise überzeugt bin, sei es beruflich oder privat, so sage ich zuerst ganz deutlich NEIN, wenn das nichts nutzt, grenze ich mich ab, und wenn das immer noch nicht reicht, bin ich sogar bereit, die Freundschaft oder Beziehung aufzugeben, denn unter einer Vertrauensbasis verstehe ich dann etwas Anderes.

Und da ich manchmal vom Hölzchen aufs Stöckchen komme beim Schreiben - so wie jetzt - kann ich nur sagen, dass diese Beziehungen - von denen ich hier rede - mich ganz arg blockiert haben, das sehe ich rückblickend, und dass ich froh und glücklich sind, dass ich den  Mut hatte, einen Strich darunter zu ziehen und mich von denen zu befreien, die mich auf ihre subtile Art und Weise über einen ganz langen Zeitraum versuchten zu manipulieren und so zu sein, wie ich nun einmal nicht bin und nie sein werde.

Danach hat sich mein Leben innerhalb kürzester Zeit ganz entscheidend ins Positive verändert, so wie ich es mir selbst nie vorgestellt hätte, durch all die lieben Menschen, die in mein Leben getreten sind, und letztlich durch mich selbst, denn ich bin frei. Und dafür bin ich dankbar.

Namasté, ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und viele schöne und vertrauensvolle Begegnungen.

Dori :-)

18 Kommentare zu “Vertrauen”

  1. Jürgen

    Ja, Vertrauen ist wie ein scheues Reh. Wenn man es erst einmal verloren hat, dauert es lange, bis es zurückkommt.

  2. Anna-Lena

    Eine eindrucksvolle Geschichte. Tiere haben oft ein feineres Gesprür als wir Menschen, die wir uns gerne wie die Elefanten im Porzellanladen aufführen.

    Hab einen schönen Sonntag,
    Anna-Lena

  3. Doris - Licht & Liebe Blog

    Liebe Dori,

    wieder einmal sehr treffend beschrieben, oder wie Jürgen sagen würde, auf den Punkt gebracht …

    DANKE dir … alles Liebe & Gute … für dich und Lady Paula …

    von Herzen
    Doris

  4. Wally

    Liebe Dori

    Was du da schreibst kommt mir sehr vertraut vor. auch ich habe mich früher von anderen manipilieren lassen, so weit sogar, dass ich es als normal annahm, so sein und werden zu wollen, wie andere mich haben wollten. Das hörte abrupt auf, mit dem Tag, als ich die Scheidung einreichte. Auf einmal war ich nicht mehr so, wie andere mich haben wollten, sondern ein `Rebell´, der sich gegen `das richtige Leben´auflehnte. Und so hat der Rebell ;-) dann endlich wieder zu sich selbst gefunden, war nicht mehr so, wie andere ihn haben wollten, sondern wurde zu dem, was er selbst sein wollte.
    Ich wurde wieder ICH.
    Dadurch habe ich damals einige Freunde verloren, aber auch erkannt, dass die wenigen Freunde, die mir geblieben sind, von vornherein die einzigen wahren Freunde waren, die ich jemals hatte.
    …denn ich bin frei … - ja, dieses Gefühl kann ich gut nachvollziehen. So ging und geht es mir auch. Und es hat mir neue Wege geebnet, die ich nicht mehr missen möchte.

    Einen schönen Sonntag
    wünscht dir
    Wally

  5. andrea2110

    Liebste Dori, ja im Laufe der Zeit bleiben Beziehungen/Freundschaften/Bekanntschaften “auf der Strecke. Entweder bewusst, wie Du es hier beschreibst (und das ist manchmal einfach das Beste) oder weil sich 2 Menschen einfach in verschiedene Richtungen entwickeln und es nicht mehr passt… Ich merke, je älter ich werde, desto wichtiger ist mir Qualität bei Freundschaften und umso unwichtiger ” Quantität”… und jetzt wünsche ich Dir und Lady Paula ganz viel positive Energie miteinander, damit sie Dir wieder voll und ganz vertraut… Schön, dass Du in MEINEM Leben bist… Allerliebste Herzensgrüsse Andrea

  6. Babsi

    liebste dori

    ich hatte mit emily ca 2 monate nach ihrer ankunft bei mir etwas ähnliches. ich spielte mit ihr mit einer angel und plötzlich wurde sie sehr sehr wild und ich erschrak mich so, dass ich sie reflexartig mit der angel schlug. ich wollte es nicht, es ist passiert und ich war nachher mind genauso erschrocken, wie emily. sie vertraute mir nach einiger zeit wieder aber noch heute schaut sie manchesmal noch etwas mißtrauisch, wenn ich die angel hoch halte…..

    manchesmal ist es uns auch nicht bewußt, dass wir jemanden quasi etwas aufzwingen. ich hatte auch freundschaften, die es bei mir machtenn. ich glaube, nicht mal bewußt aber doch mit der absicht dass ich so funktioniere…tat ich es nicht, dann kamen verbalschläge und noch heute hab ich angst davor
    grade deswegen bin ich sehr dankbar, dass ich heute schon mehr menschen habe, die mich auch immer wieder daran erinnern, dass ich es verdiene wie jeder andere auch respektiert zu werden und auch selbst zu entscheiden. und ich wünsche mir auch umgekehrt, dass es mir menschen sagen, wenn ich übers ziel hinausschieße…

    dir und deiner lady paula ganz viel lichtvolle grüße
    babsi

  7. Thomas Niegisch

    Liebe Dori,

    was deine Lady Paula angeht, so würde ich es mit Homöopathie versuchen.
    Homöopathie manipuliert nicht in dem Sinne, sonder gibt die Möglichkeit sich zu verändern - zu heilen, von der Psyche her.

    Manipulation von anderen Menschen, da reagiere ich heute anders, als früher. Früher habe ich mich eher zurück gezogen, heute kann ich es benennen und auch klar dazu Stellung nehmen und selbst für mich entscheiden, was ich annehmen kann und was nicht. Auch bin ich heute in der Lage bei mir selbst zu schauen, warum andere mich versuchen zu manipulieren. Das hat mir bisher am besten geholfen. Und so wird es immer weniger, dass andere mich manipulieren wollen. Steigerung des Selbst-Wertes, des Selbst-Bewusst-Sein.

    mach dich glücklich,
    liebe Grüße
    Thomas

  8. Elisabeth

    Liebste Dori,
    das Vertrauen kann schwinden, und das tut weh und macht traurig… aber es kann genauso wiederkehren… und die Freude ist dann umso größer :-)
    Alles Liebe für dich und Lady Paula - herzlichst Elisabeth

  9. Dori

    Lieber Jürgen,

    da stimme ich Dir zu. Manchmal kommt es aber auch gar nicht mehr wieder.

    Schön, dass Du hier warst.

    Liebe Grüße von
    Dori

  10. Dori

    Liebe Anna-Lena,

    Paula hat sich inzwischen wieder „bekrabbelt“, das geht relativ schnell, da ich die Leckerchen habe, die sie gerne hätte – lächel.

    Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche und vor allem
    in das neue Schuljahr.

    Schön, dass Du hier warst.

    Dori

  11. Dori

    Liebe Doris,

    danke, dass Du hier warst.

    Lady Paula geht es wieder gut, strahlendweißes Fell und glänzende schwarze Knopfaugen, und heute morgen bei den Entspannungsübungen hat sie schon wieder auf mir gesessen :-)

    Liebe Sonnengrüße
    von Dori

  12. Dori

    Liebe Wally,

    schön, dass du hier warst.

    Es gibt ja immer so tolle Sprüche! Man muss erst das Alte loslassen, um Platz für Neues zu schaffen, und will natürlich so etwas gar nicht hören gerade dann, wenn es einem schlecht geht und man nicht weiß, wie es nun weitergehen soll.

    Ich freue mich für Dich, dass Du erkennen durftest, wer Du bist, und wer Deine wahren Freunde sind.

    Viele liebe Sonnengrüße für einen
    guten Start in eine neue Woche und
    einen neuen Monat,

    Dori

  13. Dori

    Liebste Andrea,

    in all den vielen Jahren habe ich mein Grundvertrauen nicht verloren – darüber freue ich mich ganz besonders – für mich. Ich vertraue immer wieder, und immer wieder neu. Nur nicht unbedingt den Menschen, die mein Vertrauen verloren haben, aber es gibt ja immer wieder neue Gelegenheiten, Vertrauen zu schenken.

    ICH wünsche DIR gerade und besonders HEUTE einen ganz besonders schönen Tag voller Liebe und Vertrauen.

    Allerliebste Herzensgrüße von
    Dori

  14. Dori

    Liebste Babsi,

    das ist ein sehr anschauliches Beispiel mit Deiner Emily und mit Dir. Die Tiere sind so sensibel, und hast Du einmal ihr Vertrauen verloren, erfordert es viel Geduld und viel Liebe, es wieder zurückzugewinnen.

    Und hat Dich ein Mensch schwer verletzt, so kannst Du ihm zwar auf der Verstandesebene vergeben, doch Dein Unterbewusstsein hat es auf immer abgespeichert, selbst wenn Du gar nicht mehr daran denkst, so ist es immer noch da.

    Ich freue mich für Dich und mit Dir, dass nun Menschen in Deinem Leben sind, die Dich so lieben, wie Du bist, liebe Babsi.

    Schön, dass Du hier warst.

    Allerliebste Herzensgrüße von
    Dori

  15. Dori

    Lieber Thomas,

    das hast Du schön beschrieben, und ich weiß ganz genau, was Du gemeint hast damit.
    Denn ich habe mich früher lieber von den Menschen zurückgezogen, als meinen Standpunkt zu vertreten und mich abzugrenzen und habe die Konfrontation vermieden. Aber ich musste auch erst einmal mich selbst kennen- und liebenlernen. Und dazu muss man hinschauen,
    auch wenn es manchmal noch so unangenehm ist.

    Schön, dass Du hier warst.

    Liebe Sonnengrüße
    von Dori

  16. Dori

    Liebste Elisabeth,

    die Menschen, von denen ich hier geschrieben habe, sind nicht mehr in meinem Leben - und das war für mich eine gute und richtige Entscheidung. Denn mich wohlfühlen und voll vertrauen kann ich nur dort, wo ich auch angenommen werde - so wie ich bin.

    Schön, dass Du hier warst.

    Allerliebste Herzensgrüße
    von Dori

  17. Elisabeth

    Das stimmt, liebste Dori!
    Aber es geht auch darum und das meinte ich, Vertrauen in dich selbst, in deine Liebe, in deine Liebesfähigkeit zu haben! Auch das kann schwinden und darf wiederkehren. So ist das Leben. Ein Kommen und Gehen…
    Herzlichst Elisabeth

  18. Dori

    Hmmm - liebe Elisabeth,

    ist das so? Weiß nicht - vielleicht früher mal? Ich hab’s vergessen.

    Heute habe ich absolutes Vertrauen in meine Liebesfähigkeit. Ich liebe,
    ganz viel und ganz oft und ganz intensiv.
    Selbst wenn ich dann von jemandem getrennt bin, so bleibt die Liebe dennoch bestehen, tief in mir. Ich kann sie nicht abschalten, wie eine Glühbirne :-) In einer Ecke meines Herzens gibt es sie dann immer noch.

    Viele liebe Sonnengrüße
    von Dori :-)

Einen Kommentar schreiben: