Das Leben das ich selbst gewählt
Ehe ich in dieses Erdenleben kam
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
Da war die Kümmernis, da war der Gram,
da war das Elend und die Leidensbürde.
Da war das Laster, das mich packen sollte,
da wer der Irrtum, der mich gefangen nahm.
Da wer der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.
Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und Plage,
und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden
als Auserwählter hoher Geister denkt.
Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
Mir ward gezeigt die Wunde aus der ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
da hört ein Wesen ich die Frage tun,
ob ich dies zu leben mich getraute,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.
Und ich ermaß noch einmal all das Schlimme
„Dies ist das Leben, das ich leben will“,
gab ich zur Antwort mit entschlossner Stimme.
So war’s als ich ins neue Leben trat
Und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt.
Ich klage nicht, wenn’s mir oft nicht gefällt,
denn ungeboren hab ich es bejaht.
- Hermann Hesse, 1877 - 1962 -
Bildquelle: Walburga Rauchenwald

am 21. Januar 2010 um 12:15 Uhr.
Liebe Dori,
wozu die Seele ja gesagt hat
das wird sie auch dringend nötig haben
Hätte Eva nicht vom Apfel der Erkenntnis gekostet
wir würden heute nicht Blogschreiben.
so schöne Worte von Hesse…….
auch wenn man manchmal mitten drin
den Mut weiter zu tun
verlieren mag…..
alles Liebe
elisabeth
am 21. Januar 2010 um 14:04 Uhr.
Liebe Elisabeth,
jetzt musste ich wirklich laut lachen.
Ohne Eva und den Apfel würden wir heute nicht bloggen
Ich verliere den Mut nicht. Alles ist gut so, wie es ist, ich nehme es wirklich mit Dankbarkeit an. All die vielen schönen Lernaufgaben, die ich in meinem Leben bewältigen durfte, machen mich stolz. Und die, die vor mir liegen, ebenso.
ALLERLIEBSTE Grüße
Dori
am 21. Januar 2010 um 14:53 Uhr.
Hallo Dori,
den Hermann mag ich auch.
Doch wäre es schön wenn wir all diese Metapher verstehen und umsetzen könnten und würden.
Im Grunde ist es Einfach. Unsere Herzen sind über Jahrtausende zugeschüttet mit Schmerz und Leid.
Dann wird auch noch immer noch Schuldbewusstsein gefördert.
So lange wir in der Illusion der Trennung leben und auch nicht lernen wie Vergebung funktioniert, so lange werden wir noch leiden.
Ich weiß auch, dass es nur ein kleiner Schritt zur Liebe ist.
Doch fehlt auch mir noch ein Stück Urvertrauen.
Ich habe heute einen kurzen Workshop in mein Blog geschrieben, der über die nächsten 5 Tage Zug um Zug durchgeführt werden kann.
Er trifft auf Hermanns Worte.
Beste Grüsse
Norbert
am 21. Januar 2010 um 16:33 Uhr.
Lieber Norbert,
ich war gerade auf Deinem Blog und ich muss sagen, was dort geschrieben steht gefällt mir sehr sehr gut.
Urvertrauen lerne ich gerade, beinahe völlig auf mich zurückgeworfen empfinde ich dieses Gefühl als außerordentlich beglückend, dass ICH es bin, die für all die Dinge, die geschehen, verantwortlich bin, und dass ganz alleine ICH mich glücklich machen kann.
Ich kann das nicht erklären lieber Norbert. Aber an meinem 55. Geburtstag, als ich in Holland bei Vollmond am Strand stand, da hat in meiner Seele irgendetwas KLICK gemacht und ein Schalter wurde umgelegt. Frag mich aber bitte nicht, was für ein Schalter, denn ich kann Dir dieses Gefühl nicht erklären, das ich zur Zeit habe. Das einzige, was ich dazu sagen kann (im Augenblick) ist, dass es sich gut und richtig anfühlt, und dass ich mich in keinster Weise abgetrennt fühle.
Viele liebe Sonnengrüße
Dori