Die Dunkelheit mit Licht durchdringen

Als die Kinder weitergingen, kamen sie auf den Gipfel eines kleinen Hügels und sahen an beiden Seiten des Weges ein Bauernhaus, doch beide waren grundverschieden. Auf der einen Seite war ein Mann, der ächzte und stöhnte, prustete und schnaubte, eifrig bemüht, überall im Garten Unkraut herauszuziehen, und trotzdem sah der Garten, obwohl Blumen da waren, ganz schlimm aus.

Und auf der anderen Seite stand ein sehr hübsches kleines Bauernhaus, und dort, auf der Terrasse, umgeben von herrlichen Blumen, saß ein Mann, der vor Lächeln strahlte.

„Kommt doch herein“, rief er. Der Mann auf der anderen Seite hingegen war viel zu beschäftigt, um sie zu bemerken.

„Wieso ist Ihr Garten so schön?“ fragten sie geradeheraus.
„Setzt euch her, ich will es euch erklären!“ sagte ihr Gastgeber freundlich. „Vor Jahren versuchte ich immer, meinen Garten reinzuhalten, indem ich alles Unkraut ausriss; ich kam aber bald darauf, dass ich es auf diese Art nicht fertigbrachte. Immer blieben Samen zurück, und an diesen Stellen wuchs immer neues Unkraut. Es war kein Ende abzusehen! So suchte ich nach und nach Blumen, die das Unkraut verdrängten, und die streuten ihrerseits ihre guten Samen, die das Unkraut verdrängten, bis der Garten sich schließlich von selbst sauber hielt!“

Die Kinder saßen lange da, dachten nach und sagten kein Wort.

Da lächelte der Mann und fragte: „Worüber denkt ihr nach?“

„Tja“, sagte eines der Kinder, „wenn ich etwas Böses denke, bemühe ich mich schrecklich, diesen Gedanken auszulöschen, ihn zu zermalmen, ihn herauszureißen, aber ich schaffe es nie so recht. Er bleibt immer da, bereit, jederzeit wiederzukommen, stärker als je zuvor. Was kann man da tun?“

„Schenk ihm nicht allzu viel Beachtung, lass nicht zu, dass er sich wichtig fühlt. Beschäftige dich im Geiste einfach mit anderen positiven Dingen, mit Gedanken voller Licht, und sie werden nach und nach die unerwünschten verdrängen. Diese werden ersticken und absterben, ganz ohne Reißen und Ziehen, ohne Schmerz, und keine Keime zurücklassen, die wachsen können. Wenn du Eigenschaften hast, die dich unglücklich machen, wenn du in deinem Leben mehr nimmst als gibst, dann konzentriere dich einfach darauf, wie viel Freude es macht, zu geben. Und eines Tages wirst du zurückschauend erkennen, dass du diese dumme alte Angewohnheit längst abgelegt hast! Das gleiche gilt auch für den Hass, den Zorn, den Egoismus, die Grausamkeit, einfach für alle negativen Gefühle! Durchdringe nur den Hass mit Mitleid, den Egoismus mit Bescheidenheit, den Zorn mit Nachsicht, die Grausamkeit mit Güte, die dunklen Gedanken mit leuchtenden.“

Plötzlich bemerkten die Kinder, dass es dunkel wurde. Der Mann drehte sich um, nahm eine Laterne und zündete sie an! Und dabei sagte er: „Schaut, wenn die Dunkelheit kommt, könnt ihr sie nicht wegschaufeln oder ausreißen. Aber ihr könnt sie mit Licht durchdringen und schließlich auf diese Weise besiegen!“

„Was für ein wunderbarer Gedanke!“ sagten die Kinder. „Wie wohltuend und erhellend!“

„Dabei ganz einfach!“ sagte der Mann. Und sie lächelten alle verständnisinnig.

„Warum haben uns denn die Großen nichts davon gesagt, es scheint sie gehen an das Gute immer auf die schwierigst denkbare Art überhaupt heran?“
„Vielleicht, weil die Erwachsenen angehalten wurden, Probleme zu lösen, indem sie Dinge unterdrücken, anstatt sich kreativ mit neuen Dingen zu beschäftigen. Wenn ihr selbst genug Gutes schafft, kann das Böse nicht überleben. Wenn ihr hingegen versucht, das Böse zu unterdrücken, wird es euch immer entgleiten, wie eine verfaulte Banane einer geballten Faust!“
„Pfui! Was für ein grauslicher Gedanke“, sagte eines der Kinder, und instinktiv wischten sich beide die Hände an den Hosen ab.

„Kommt zum Abendessen, ich habe auch ein nettes kleines Schlafzimmer für euch“, sagte der Mann und sie schlupften zur Nacht unter.
Am nächsten Morgen hörten sie beim Erwachen, wie ihr Nachbar noch immer auf seinen Garten einhackte.

„Was macht er mit dem Unkraut, das einfach nicht weggehen will?“ fragte eines.
„Oftmals“, antwortete der Alte, „ist das ja gar nicht mal nur Unkraut, sondern es sind Pflanzen, die allerlei guten Zwecken dienen und sehr schöne Blüten haben, aber die Leute wollen die guten Eigenschaften in ihnen einfach nicht erkennen.“

Gerade als die Kinder sich anschickten fortzugehen, entdeckten sie im Wald versteckt ein drittes Haus.
„Wer wohnt dort?“ fragten sie.
„Ein großer Arzt. Er züchtet Giftpflanzen und macht daraus großartige Heilmittel, das ist der dritte – und höchste – Weg, um dazu aber fähig zu sein, muss man sehr viele Dinge erlernt haben!“

Die Kinder dankten ihrem Gastgeber für all seine Freundlichkeit und zogen von dannen. Als sie wieder auf dem Weg ankamen, sagte eines zum anderen: „Der dritte Weg, aber wie sahen die beiden anderen aus?“

„Ich glaube, der erste besteht darin, dass man versucht, das Böse auszureißen und zu zerstören. Der zweite darin, es mit Gutem zu überströmen! Und der dritte ist, es in Gutes umzuwandeln.“

aus Bernard Benson “Der Weg ins Glück”

Bildquelle: Susanne Schmidt, Berlin

17 Kommentare zu “Die Dunkelheit mit Licht durchdringen”

  1. andrea2007

    Liebste Dori, was für eine wunderbare Geschichte und wie schön, dass Du sie “verbreitest”. Der 2. Weg ist die perfekte Anwendung vom Gesetz der Anziehung, Energie folgt der Aufmerksamkeit. Vielen Dank für diese wahren Worte und Gedanken. Allerliebste Nikolaus-Wochend-Grüsse Andrea

  2. Jürgen

    Liebste Dori,

    die Texte haben es Dir ja richtig angetan. Allein dafür hat sich das Abtippen ja wirklich gelohnt. Ich freue mich riesig, dass Dir das Buch so gut gefällt.

    Alles Liebe,
    Jürgen

  3. Teebaumöl Wirkung | Teebaumöl

    [...] Chakra Balance Blog » Blog Archive » Die Dunkelheit mit Licht … [...]

  4. Lilie

    Liebe Dori,
    was für eine schöne Geschichte … Vielen Dank dafür.
    Viele liebe Grüße
    Iris

  5. Dori

    Liebste Andrea,

    das “Gesetz der Anziehung” kommt im Augenblick voll zum Tragen. All die Dinge, die ich schon vor einer Weile anhand der Drei-Szenen-Technik und der Videos visualisiert habe, “trudeln” jetzt so nach und nach in meinem Leben ein. Das finde ich faszinierend.

    Ich wünsche Dir einen energievollen Wochenanfang,
    allerliebste Sonnengrüße,

    Dori :-)

  6. Dori

    Liebster Jürgen,

    nochmals vielen lieben Dank. Die Geschichten sind einfach zuuuuuuuu schön und passend, als dass man sie NICHT veröffentlichen könnte.

    Einen energievollen Start in die neue Woche wünscht Dir

    Dori :-)

  7. Dori

    Liebste Iris,

    ja - nicht wahr? Und je öfter ich sie lese, desto besser verstehe ich die Botschaft.

    Viele liebe Grüße

    Dori :-)

  8. elisabeth wendt

    Liebe Dori,
    den Widerstand aufgeben, die Kontrolle einfach sein lassen, denn
    what you resist persists
    so einfach die Wahrheit, so schön, Deine Geschichte.
    Guten Morgen und alles Liebe
    elisabeth

  9. Erika

    Liebste Dori,
    danke Dir für die schöne Geschichte und auch das Bild gefällt mir sehr gut, wenn man das Licht wahrnimmt, sowie auch das Positive und Gute und dem Aufmerksamkeit schenkt, kann man auch das andere aushalten und muss es nicht mit Gewalt beseitigen. Trauer, Schmerz, Dunkel alles gehört zum Leben, aber es gibt viel Licht , gerade in uns selbst, wir müssen es strahlen lassen.
    Liebe Grüße zu Dir, liebe Dori und viele Herzenslichtstrahlen
    Erika

  10. andrea2007

    Liebste Dori, ich hab mit der 3Szenen Technik noch nichts gemacht, irgendwie kann ich mich da gar nicht reinfinden. Video’s drehen geht leichter und auch sonst visualisieren… Schön, dass Du da so erfolgreich bist, Energie kann ich gut gebrauchen, Du Liebe, herzlichen Dank und allerliebste Sonnengrüsse Andrea

  11. Dori

    Liebste Andrea :-)
    bei mir ist es genau umgekehrt. Ich arbeite nicht so gerne mit den Videos, die soll man ja abends vor dem Einschlafen machen, und da schlafe ich meistens bei ein.
    Aber die 3Szenen-Technik kann ich überall und zu jeder Zeit machen.
    Anfangs konnte ich das überhaupt nicht, aber nach dem Wiederholungsseminar ging das plötzlich - natürlich nachdem Gaba mir dann auch telefonisch oft unter die Arme gegriffen hat.
    Ich mache inzwischen über alles was es gibt die 3Szenen-Technik.
    Von “ich hab 2 kg zugenommen” bis hin zu “ich wünsche mir Kunden für meine Praxis”.
    Probiers einfach mal aus, mir macht das mehr Spass als Videos, aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.
    allerliebste Sonnengrüße zurück,
    Dori :-)

  12. Dori

    Liebste Erika,

    ich habe mir die Geschichte gerade noch einmal durchgelesen. Ich entdecke jedes Mal wieder etwas Neues, schön ist das.
    Vor allem der Satz mit den schlechten Gedanken gefällt mir sehr gut. Gerade habe ich das noch einem Freund von mir gesagt: sobald ein negativer Gedanke auftaucht, setze ich eine positive Affirmation dagegen. Das funktioniert unglaublich gut.

    Allerliebste Sonnengrüße für Dich,
    Dori :-)

  13. Babsi

    liebste dori

    so eine tolle geschichte, danke dir!!!!wie schon die letzte bin ich echt beeindruckt.
    ich teile die gedanken deiner anderen leser. der 3te weg gefällt mir hier auch besonders gut. aus jedem samen und gefühl kann auch etwas gutes entstehn wenn man es richtig “anpackt” und bereit ist mehr als nur ein bild zu betrachten.
    irgendwie passt deine geschichte so schön zu dem kleinen gedanken, den ich heute geschrieben habe…danke dafür liebste dori!!!

    liebste abendgrüße von babsi

  14. andrea2007

    Liebste Dori, ich glaube, ich hab’s einfach noch nicht richtig “verstanden”… Ich kann ja mal ein Video drüber drehen:-) Lächelnde Gutenmorgen-Grüsse Andrea

  15. Dori

    Liebste Babsi,

    ich habe sie mir seither jeden Morgen durchgelesen, und das werde ich wahrscheinlich noch ein paar Mal machen. Weil es immer mehrere Möglichkeiten gibt. Und Blickwinkel.

    Ich geh jetzt mal bei Dir schauen, Du Liebe.

    Herzensgrüße für Dich,

    Dori :-)

  16. Dori

    Liebste Andrea,

    wir können gerne mal “drüber xingen”, wenn Du magst.

    Viele liebe Grüße
    Dori :-)

    P.S. Dein Blog kann ich im Augenblick nur ganz schwer hochladen, weil Du so große Bilder vom Schnee(Chaos) eingestellt hast, und das mag mein Compi nicht so gerne.

  17. andrea2007

    Liebste Dori, das wäre schön… Ich hab die Anzeige von meinem Blog von 20 auf 15 Beiträge gekürzt, vielleicht geht es jetzt besser… Allerherzlichste Grüsse Andrea

Einen Kommentar schreiben: