Ist guter Rat teuer?
oder:
Einfach mal die Klappe halten, so heißt es in Ralf Senftlebens aktuellen Newsletter.
Darf ich ungefragt einen Rat aussprechen?
Nein, darf ich nicht. Oder sollte ich besser nicht.
Und wieso nicht?
Weil diese Ratschläge in den meisten Fällen nichts taugen.
Ich will jedoch nicht unterstellen, dass sie in böser Absicht ausgesprochen werden. Aber jeder Mensch kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, und die ist in den meisten Fällen für jemand anderen nicht hilfreich.
Ein Beispiel:
Ich habe mir ein Leben lang einen Hund gewünscht. Ich habe aber keinen Hund. Mein Lebensgefährte hat einen Hund, den Malino, und hat insgesamt seit 15 Jahren Hunde, kennt sich bestens mit dem Verhalten, der Erziehung und der Ernährung von Hunden aus.
Wenn ich also einen Rat bräuchte – in Bezug auf Hunde – so würde ich ihn fragen, da er sehr souverän und kompetent mit seinem Wissen umgeht. Aber auch eingestehen kann, dass es Dinge gibt, die er heute vielleicht anders – nach seinem Dafürhalten – besser machen würde.
Habe ich Probleme im Umgang mit Geld, dann sollte ich einen Menschen um Rat fragen, der erfolgreich mit Gelddingen umgehen kann, der sein gutes Auskommen hat, der keine finanziellen Sorgen hat, der weiß, wie es geht. In keinem Fall würde ich den Rat eines Menschen annehmen (können), der dieselben Probleme hat wie ich.
Wenn ich Beziehungsprobleme habe, frage ich nicht Freunde, die seit Jahren Single sind oder von einer Beziehung in die nächste stolpern, sondern ich spreche Menschen an, die in einer langjährigen Beziehung leben und die Probleme, die ich habe, aus eigener Erfahrung kennen. Und die mir sagen können, wie sie diese Probleme mit ihrem Partner gelöst haben. Ob ich dann den gleichen Weg gehe, entscheide ich doch letztendlich selbst.
Wenn mein Auto nicht mehr fährt, dann fahre ich damit doch auch in die Werkstatt meines Vertrauens, und dort wird mein Wagen repariert, so dass ich sicher und wohlbehalten wieder damit fahren kann. Die Zeiten, wo ich mein Auto aus Geldmangel von Hobbyschraubern “reparieren” ließ, sind definitiv vorbei. Damit bin ich nämlich nicht gut gefahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Wenn ich Menschen in meinem Umfeld beobachte und sehe, dass sie aus meiner Sicht „einen Fehler“ machen, so halte ich mich dennoch mit meiner Meinung zurück (ich versuche es zumindest J. Ich kann ja nur aus meinem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Und was für mich gut ist, kann für einen anderen Menschen schlecht sein. Oder umgekehrt.
Von Gaba habe ich gelernt, dass es für alle Situationen verschiedene Blickwinkel gibt. Und wenn jemand mich um meinen Rat fragt, so versuche ich nun, ihm andere Blickwinkel aufzuzeigen, anstatt meinen (ungefragten) Rat an den Mann/die Frau zu bringen, der sowieso nicht von Nutzen ist, nicht sein kann.
Welche Erfahrung hast Du mit Menschen, die Dir ständig und zu allem ihren „gutgemeinten“ Rat geben wollen? Wie verhältst Du Dich in solch einer Situation? Lässt Du Dich verunsichern oder bist Du so verankert in Deinem Tun, dass Dich diese Dinge nicht (mehr) tangieren?
Wenn ich Dir jetzt sage, ich wünsche Dir einen tollen und erfolgreichen und energievollen Start in die neue und erste Novemberwoche, dann ist dies kein „gutgemeinter Rat“ von mir, sondern ich wünsche Dir dies aus meinem tiefen Herzen.
Namasté, Dori

am 2. November 2009 um 10:56 Uhr.
Liebe Dori,
wenn ich Ratschläge beklomme dann meistens nur, wenn ich andere drum bitte, ich weiß nicht warum. Aufgedrängt krieg ich sie nicht.
und die nehm ich dann schon ernst, weil die Leute, die ich um Rat frage selbst so sensibel, vorsichtig und erfahren sind, daß sie mir genügend Raum geben mir den Ratschlag aus allen Perspektiven anzuschauen, wie ein Kleid, das ich probiere an und ausziehe um zu schauen ob ich mich drin wohlfühle.
Ich selbst gebe natürlich schon Ratschläge, aber auch nur gefragterweise. Wenn mir manchmal mal was rausrutscht und ich es nicht verhindern konnte, mein ich dann sollte es auch so sein. Verletzen wollen die wenigsten…
liebe Grüße
elisabeth
am 2. November 2009 um 11:53 Uhr.
Hallo Dori,
es ja nicht unbedingt nötig andern Ratschläge zu erteilen.
“Ein Ratschlag sei auch nur ein Schlag”, habe ich mal vernommen.
Doch meine Meinung zu äußern, oder mitzuteilen, sollte immer möglich sein.
Denn im Wort “mitteilen” steckt ja, “mit anderen teilen” das kann eigentlich nur gut sein.
Ich teile mit meiner Frau immer Freud und Leid. Ich nehmen, wann immer möglich die Freud?
Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass jemand zu mir sagte:
“Mache es so wie ich es sage, und nicht so, wie ich mache”, dann funktioniert es auch.
Beste Grüsse
Norbert
am 2. November 2009 um 12:53 Uhr.
Liebste Elisabeth,
wenn ich in einer Situation bin, wo ich Rat benötige, dann frage ich nach. Übrigens, DANKE für Deinen lieben und liebgemeinten Rat, ich werde ihn befolgen.
Ich meinte eher die Menschen, die zu allem etwas zu sagen haben und jedem, ob er es hören möchte oder nicht, ihren “wohlgemeinten” Rat aufdrücken wollen.
Natürlich gebe ich auch selbst Ratschläge. Allerdings nur zu Dingen und Situationen, wo ich “mitreden” kann. Ansonsten bin ich lieber still.
Herzensgrüße nach Wien,
Dori
am 2. November 2009 um 12:58 Uhr.
Lieber Norbert,
ich empfinde den Spruch “ein Ratschlag ist auch nur ein Schlag” als sehr TREFFEND! Selbstverständlich tue ich meine Meinung kund, ohne Frage.
Weißt Du, es ist noch gar nicht allzu lange her, da erkrankte eine Kollegin von mir an Krebs. Da ich ja “Erfahrung” mit diesem Thema hatte, wollte ich ihr einige “gutgemeinte” Ratschläge geben. Aus dem einfachen Grunde, weil ich mir damals einen sog. Berater in dieser Situation gewünscht habe und ihn/sie gut hätte gebrauchen könne.
Stattdessen sagt diese Frau zu mir: was für Dich gut ist, ist für mich noch lange nicht gut. Und hat mich gebeten, ihr keine weiteren Ratschläge zu geben. So war das.
Aber ich mag es auch nicht, wenn mir andere Menschen in einer Situation einen Rat geben, den ich weder befolgen möchte noch kann.
Sonnigste Grüße
Dori
am 2. November 2009 um 19:18 Uhr.
Mit gutgemeinten und anderen Ratschlägen halte ich mich schon einige Jahre zurück. Gott sei Dank. Früher wollte ich immer helfen und habe die Dinge aus meiner Sicht versucht zu verschlimmbessern.:-)
Ich möchte auch keine ungebetenen Ratschläge, wenn ich sie aber doch bekomme….. tja wenn es eine Situation ist, bei der ich selber unsicher bin, kann mich das schon ein bisschen ins wanken bringen.
Und danke für die guten Wünsche für diese Woche, ich hab nämlich Urlaub und lauter schöne Termine für mich. Ich werd sicher eine schöne Woche haben.
Liebe Grüsse
Anka
am 2. November 2009 um 22:56 Uhr.
Du wunderbare Dori, ich kann das alles so genau nachvollziehen. Ich bin auch dazu übergegangen, MÖGLICHKEITEN zu zeigen statt meine Ratschläge loszuwerden… und in ausgesuchten Fällen gibts meine MEINUNG, auch als solche “gekennzeichnet”…
Wie ich mit Ratschlägen umgehe? Kommt natürlich drauf an, ob ich danach gefragt habe oder ob sie ungefragt kommen und von wem. Vieles prallt an mir ab, wenn es überhaupt nicht zu mir passt, einiges lässt mich nachdenken und wird dann danach entweder abgelegt oder fliesst in meine Entscheidungsfindung mit ein…Ich geh mittlerweile damit sehr positiv um, weil ich daran glaube, dass alles mit einer positiven Absicht geschieht… das macht mich toleranter und ich reg mich weniger auf:-)
Allerliebste Herzensgrüsse Andrea
am 3. November 2009 um 5:02 Uhr.
Hi Dori,
schönes Thema. Ich sehe Ratschläge auch mehr als eine Erweiterung der Perspektive, und weniger als eine Empfehlung die ich befolgen sollte.
Einige der besten Entscheidungen meines Lebens habe ich wider der gutgemeinten Ratschläge anderer gemacht.
Und auch die erfahrensten Leute geben manchmal “schlechten” Rat. (Rat, der wenn man ihn umsetzt nicht zu dem Ergebnis führt, das Ratgeber und Empfänger erreichen wollten). Deshalb ist es umso wichtiger, dass man die Entscheidung letzten Endes selbst trifft. Den Fehler habe ich auch schon begangen - dem Ratschlag von Leuten zu folgen, die sich besser ausgekannt haben (wider meinem eigenen Gefühl und meinem eigenen gesunden Menschenverstand). Und musste die Suppe, die mir das dann eingebrockt hat später selbst auslöffeln.
Ich hole mir immernoch sehr gerne Ratschläge zu wichtigen Themen ein von Leuten auf deren Meinung ich wert lege, aber am Ende ist jeder für seine eigenen Entscheidungen verantwortlich.
Viele Grüße,
Ramin
am 3. November 2009 um 11:09 Uhr.
Liebe Anka,
früher habe ich die Menschen in meinem Umfeld mit meinen (ungefragten) Ratschlägen erSCHLAGEN. Das habe ich mir so ziemlich abgewöhnt, dennoch kann ich manchmal nicht an mich halten und werde rückfällig.
Wie verhält man sich, wenn ein lieber Mensch einen (vermeintlichen) Fehler begeht? Und dann ist die nächste Frage: kann ich überhaupt beurteilen, ob es ein Fehler ist?
Ich finde, dies ist ein sehr komplexes Thema.
Ich wünsche Dir eine tolle Urlaubswoche,
alles Liebe.
Dori
am 3. November 2009 um 11:12 Uhr.
Liebste Andrea,
ich weiß, dass Du genau nachvollziehen kannst, was ich meine
Auch mir geht es wie Dir, bei Unsicherheit kann mich ein “gut gemeinter” Ratschlag schon mal aus meiner Mitte bringen. Aber das gibt sich nach ein oder zwei Tagen wieder, weil ich inzwischen so gut verbunden bin, dass ich weiss, was für mich richtig ist, welcher Aufgabe ich mich stellen muss, und was ich tunlichst lassen sollte.
Allerliebste Sonnengrüße in die Schweiz
aus dem strahlendschönen Neuss,
Dori
am 3. November 2009 um 11:14 Uhr.
Lieber Ramin,
schön, was Du da schreibst.
Ich habe vor vielen Jahren eine ziemlich gut dotierte Stelle gekündigt, nach 15 Jahren in diesem Unternehmen und Anspruch auf Betriebsrente.
Die ganze Welt hat aufgeschrien und gesagt: wie kannst Du nur!
Das war eine meiner besten Entscheidungen in meinem Leben, im Nachhinein kann ich das so sagen.
Aber auch damals habe ich mich einfach nicht beirren lassen, weil ich genau WUSSTE, was richtig ist.
Danke für Deinen Kommentar.
Sonnige Grüße
Dori