Eifersucht

Klingeling, das Handy einer meiner Kurfreundinnen klingelt. Wir “Mädels” sitzen im Eiscafé, vor mir steht mein Lieblingseisbecher, ein überdimensionaler Amarena-Becher (die Größe war nicht beabsichtigt).

“Wir sitzen im Eiscafé Schatzel” säuselt meine Bekannte in ihr Handy. “Nein, Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen, Schatzel. Es sind keine Männer dabei! Nur die “Mädels”.” Sie verdreht die Augen und zieht die Schultern hoch, sie sieht hilflos aus, es ist ihr peinlich, dass wir alles mitbekommen. “Nein Schatzel, die Mädels gehen zwar heute Abend tanzen, aber ich geh nicht mit. Kannst mich jederzeit auf dem Zimmer erreichen”. Ihr Blick wird nun langsam verzweifelt.

Dann drückt sie mir ganz spontan ihr Handy in die Hand und sagt: “Red Du doch mal mit ihm, der glaubt wieder nicht, dass hier nur Frauen sind”. Also da habe ich nun überhaupt keine Lust zu, ich will meinen Eisbecher geniessen, sage aber laut etwas in die Runde, die anderen lachen, so dass “er” hören kann, wir sind nur die “Mädels”.

Wie heißen die Sprüche noch gleich:
Ach ja, Eifersucht ist eine Sucht, oder: wer mit Eifer sucht, der…….

Wir befinden uns hier in einer onkologischen Reha-Klinik, in der logischerweise nur Menschen sind, die Krebs hatten und nun für ihr Alltags- und Arbeitsleben Kraft tanken wollen und zur Ruhe und zu sich finden sollen. Dennoch spielen sich in meinem Umfeld haarsträubende Eifersuchtsdramen ab. Der sogenannte Kurschatten ist das Thema der Daheimgebliebenen. Die Frauen gehen nicht einmal zur Therapie ohne ihr Handy (Kopfschüttel). Meins liegt in der Schublade.

Ich weiß zwar, dass es auch eifersüchtige Frauen gibt, da ich mich jedoch in einer reinen Frauenclique bewege, erlebe ich nur die andere Variante. Partner, die eifersüchtig sind auf einen imaginären Kurschatten (als hätte man hier nichts Anderes zu tun), auf die beste Freundin der Frauen, auf deren Hobbies, die sportlichen Aktivitäten und sogar auf den beruflichen Erfolg.

Für mich ist die Eifersucht ein Mangel. Mangel an Vertrauen, an Selbstwertgefühl, Selbstliebe, Selbstbewußtsein. Sicherlich “spielen immer zwei Partner dieses Spiel”, daher hüte ich meine Zunge und gebe keinerlei Kommentare ab zu den Dramen, die hier stattfinden. Auch nicht, wenn meine Bekannte sagt: “Was soll ich denn tun, er leidet doch so!”

Spät am Abend, als ich in mein Zimmer komme, danke ich dem lieben Gott oder wem auch immer dafür, dass die Eifersucht meiner jüngeren Jahre nicht mehr existiert. Denn da ich mir aus meinem tiefsten Herzen wünsche, dass die Menschen, die ich liebe oder mag glücklich sind, kann ich Freiräume gewähren, ohne dass mich “die Eifersucht heimsucht”.

12 Kommentare zu “Eifersucht”

  1. Jürgen

    Liebste Dori,

    da bin ich aber froh, dass die Eifersucht in Deinem Leben keine Rolle mehr spielt. Und sicher auch nicht im Leben Deines neuen Partners. Ich habe schon befürchtet, ich dürfte Dir hier keine Komplimente mehr machen ;-)

    Der Spruch, den Du gesucht hast, lautet: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!

    Suchen wir lieber das, was Freude macht. Ein Tanzschritt war da schon immer ein Schritt in die richtige Richtung. Ulrike und ich werden das Tanzbein morgen wieder schwingen, um “unseren” Tag nachzufeiern. Heute habe ich sie erst mal ganz lieb bekocht.

    Herzliche Grüße,
    Dein Blogschatten Jürgen :-)

  2. Dori

    Liebster Jürgen,

    na dann viel Spass beim Schwingen des Tanzbeines für Dich und Ulrike. Genau, das war der Spruch, den ich suchte ;-)

    Blogschatten finde ich lustig. Wenn schon kein Kurschatten, dann wenigstens ein Blogschatten - grins.

    Hier darf jeder kommentieren, lieber Jürgen, und Eifersucht gibt es in meinem Leben nicht (mehr). Ich finde, einer 54-jährigen Oma steht das nicht mehr so gut zu Gesicht ;-)

    Hab ein schönes WE, Dori :-)

  3. Erika

    Liebste Dori,
    statt sich zu freuen auus Liebe, dass es der Partnerin nach dieser Krankheit gut gehen darf, solche eifersüchtigen Szenen, das würde mir doch zu denken geben, wo ist da Vertrauen???

  4. Erika

    Die Grüße kommen noch hinterher, alles Liebe von Erika ;-)

  5. andrea2007

    Liebste Dori, das klingt in der Tat ein wenig absurd, was Du da erlebst. Ich bin nicht grundsätzlich ein Feind von Eifersucht. Für mich ist das Gegenteil von Eifersucht Gleichgültigkeit und da finde ich manchmal ein bisschen Eifersucht sehr schön, d.h. ich bedeute der anderen Person sehr viel, es ist nicht egal, was ich mache… In Massen kann Eifersucht auch gut tun, meine persönliche Meinung, allerdings hab ich auch noch nie heftige Eifersuchtsszenen erleben müssen und ich selber bin noch nie ein besonders eifersüchtiger Mensch gewesen.

    Ich seh Dich vor meinem geistigen Auge inmitten all der aufgeschreckten und sich rechtfertigenenden Mädels, völlig in Deiner Mitte, 3-2-1 oder wie geht das bei Dir? In einem friedlich entspannten Zustand, ganz bei Dir und Deinem Eisbecher… eine amüsante Vorstellung.-) Alles

  6. andrea2007

    ups, alles Liebe für Dich, sonnige Grüsse Andrea

  7. Dori

    Liebste Andrea,

    ich habe früher schon einmal gelesen, dass für Dich das Gegenteil von Eifersucht Gleichgültigkeit ist. Ich kann Dir (ausnahmsweise mal) nicht zustimmen. Wenn ich Freiräume gewähre, hat das etwas mit Liebe, Vertrauen, Gemeinsamkeit, Seelenverwandtschaft usw. zu tun.
    Das heißt nicht, dass ich lächelnd zuschaue, sollte jemand meinem Partner in meiner Gegenwart schöne Augen machen wollen (grrrrrrrr).
    Aber wenn jemand auf alles und jedes eifersüchtig ist, dann finde ich das krankhaft. Und darum geht es ja in diesem Post.

    Ich kann nur sagen, dass ich hier unglaublich viel lerne. Geballte Ladung. Bei uns würden wir sagen: hier geht die Lucy ab. Und ich schaue mir das alles an, bin der Beobachter, und komme immer wieder zu neuen Erkenntnissen.
    Und ja. 3 Mal am Tag 333 222 111 - gekoppelt mit einer wohltuenden Massage oder sportlichen Aktivitäten - das tut gut.

    Allerliebste Sonnengrüße in die Schweiz
    sendet Dir Dori :-)

  8. gokui

    hallo,

    ich kann deratige auch nicht verstehen. ich bin noch in einer zeit groß geworden wo es keine mobils gab und nicht jeder immer erreichbar war. auch heute habe ich etwas dagegen wenn scheinbare banale anrufe sich versuchen in einen völlig harmloses tagesgeschehen “einzumischen”.

    eifersucht, wer mit eifer sucht, der wird auch irgendwann etwas finden. doch was er nicht finden wird ist vertrauen.

  9. Gabriele Eline

    Hallöchen liebe Dori,
    ich bin früher auch eifersüchtig gewesen.Irgendwann habe ich auch begriffen, das ich ein starkes Besitzdenken hatte.Natürlich auch Verlustängste.Heute sehe ich das alles gelassener.Vielleicht auch deshalb
    weil ich gelernt habe mich zu lieben? Könnte doch sein….oder…
    Danke für Seine Karte.Gabriele Eline

  10. Babsi

    liebe dori

    da ich selber so ein wesen bin dass eifersuhtsgefühle (nicht jetzt auf partner) kennt kann ich dir da nur zustimmen.
    es ist ein zeichen von selbstwertkomplexen. ich habe das zum glück selten bei zb freundinnen und dann kommt dieser stich, die andere wäre doch besser. bei mir ist eifersucht immer auch eine art suche nach selbstbestätigung
    was ich nun damit sagen will
    das sind alles meine eigenen gefühle und die jemanden anderen überzuziehen finde ich gelinde gesagt unfair grade wenn man sich sooo hineinsteigert.
    und die freiheiten und hobbys eines anderen würde ich nie kritisieren genauso wie ich möchte dass auch meine respektiert werden.

    na nun hab ich ja auch eine wunderbare technik dazu wenn ich wieder unruhig werdn sollte. denn MEINE negativen gefühle gegenü ber mir und auch anderen die bleiben bei mir!!

    liebste grüße in die reha von babsi

  11. elisabeth wendt

    Liebe Dori,

    glücklich diejenigen, die niemals nie zu Eifersucht sagen.
    Ein unangenehmes, weil so kleines Gefühl, was Hässliches und gar nicht Schönes, aber dennoch sag niemals nie in diesem Fall auch.
    Ich sag nicht, ich hab die Eifersucht hinter mir, auch wenn ich schon Schlimmes erlebt hab.
    Dennoch könnte sie hinter der nächsten Ecke lauern.
    Der Beitrag ist sehr schön geschrieben Dori.
    alles Gute weiterhin
    elisabeth

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