Begegnungen - beim Tierarzt
Lady Paula muss zur Maniküre und Pediküre. Das heißt, ihre Krallen müssen geschnitten werden. “Normale” Kaninchen lassen sich die Krallen ja von Frauchen oder Herrchen schneiden, aber nicht so diese äußerst eigenwillige Dame.
Beim Tierarzt im Wartezimmer ist es immer sehr spannend. Während bei meinem Arzt in der Praxis niemand mit niemandem redet, alle starren entweder auf imaginäre Punkte auf dem Fußboden oder lesen in einer Klatschzeitung, unterhält sich beim Tierarzt jeder mit jedem.
Sobald ich die Praxis mit Paulas Körbchen betrete, schaut schon jeder sehr interessiert, was denn so in dem Körbchen ist. Ich melde “uns” an und nehme dann Platz. Sofort kommt ein junges Mädel schauen und sagt: Ist die süüüüüss. Wenn ich dann noch unsere Geschichte erzähle, dann ist die Begeisterung grenzenlos. Wie Lady Paula zu mir kam, dass sie eine Woche später anfing, ein Nest zu bauen in ihrem Käfig, und dass eine Woche später 5 Kaninchenbabies in diesem Nest lagen, und wie wir sie aufgezogen haben.
Der sehr sympatische junge Mann mit dem riesengroßen MaineCoon-Kater (so groß wie ein ausgewachsener Spitz) an der Leine - lässig liegt dieses Tier auf dem Zeitungstischchen und tut sehr desinteressiert - erzählt, dass sein Kater vor 2 Jahren an Krebs erkrankt ist und dass die Ärztin ihn in mehreren Operationen gerettet hat. Für das Geld hätte ich mir einen schönen Kleinwagen kaufen können, sagt er, aber das war es mir wert. Und er schaut seinem Kater in die Augen und sagt: Nicht wahr, Dicker? Und der Kater schließt die Augen und legt sich auf seinen Schoß.
Ich frage mich, warum das beim Tierarzt so unkompliziert ist, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Dabei fällt mir gerade ein, beim Kinderarzt war das früher genauso.
Brauchen die Menschen einen “Anlass” oder ein “Ventil”, um miteinander zu kommunizieren?

am 19. September 2008 um 15:32 Uhr.
Hallo Dori!
Wer will schon was hören, vom Leid des Anderen? Viele habe da auch ihre eigenen Probleme und wollen gar nix reden.
Und man wurde ja auch dazu erzogen schön “still” zu sein, wenn man im Wartezimmer des Artztes sitzt.
Liebe Grüße
Grye Owl
am 20. September 2008 um 10:26 Uhr.
Liebe Grye Owl,
ja, so sind wir erzogen worden. Immer schön still sein und leise. Aber das gefällt mir überhaupt nicht, muss ich ehrlich gestehen.
Viele liebe Sonnengrüße,
Dori
am 21. September 2008 um 13:04 Uhr.
Ja, liebste Dori,
Bei deiner Erzählung von dem Kater musste ich lachen und an die beiden riesigen Maine-Coon-Kater meiner Schwester denken, wo ich den Nicki auch “Dicker” nenne. Da legt jeder an die 7 oder 8 Kilo auf die Waage, und das ist noch wenig für diese Rasse 
Aber vielen Menschen bedeutet ihr Haustier einfach alles und darüber wollen sie auch reden. Weil diese Liebe verbindet - auch mit den anderen beim Tierarzt Wartenden…
weil Kinder und Tiere das Herz öffnen
So viele Menschen leben in Single-Haushalten und haben aber ein Haustier zu Hause oder auch zwei oder drei… Geht mir ja genauso. Ich freue mich, wenn ich nach Huase komme, weil da “jemand” ist, der auf mich wartet. Luna ist mein Ein und Alles, sie hört mir zu, sie tröstet mich, sie kuschelt mit mir - sie ist meine große Liebe, mein Leben. Natürlich kann sie einen Partner nicht ersetzen
Liebste Sonntagsgrüße von Elisabeth
am 22. September 2008 um 12:54 Uhr.
hallo dori
also ehrlich gesagt ich versteh es auch nicht so ganz.ich quatsche gerne andere leute an, wenn ich zb in wien unterwegs bin in der strassenbahn,u bahn sobald mir der sinn danach steht.und es kommt bei den meisten auch gut an.kommt natürlich auch auf méine tagesverfassung an.einfach inmitten von menschen sitzen und so tun als ginge mich nichts an das kann ich gar nicht
aber ich hab auch schon femerkt, vielen scheint das auch irgendwie peinlich zu sein mit jemanden unterwegs zu sein der gern auch mal einen small talk eingeht…warum auch immer :))
ich möchte es nicht ändern.das macht doch das leben interessant oder??
übrigebs schließ ich mich dem mädel an: süüüüüüüüüüüß deine dame :))
gglg von babsi
am 22. September 2008 um 18:50 Uhr.
Liebste Elisabeth,
Tiere öffnen wirklich das Herz. Beim Tierarzt habe ich eine Frau mit einem Meerschweinchen getroffen, das hatte sich am Auge verletzt und das Auge musste entfernt werden. Es war in ein Handtuch gewickelt und die Frau hat es so liebevoll an ihr Herz gedrückt, das sagte mehr als alle Worte.
Ich hoffe, dass ich/wir irgendwann die schöne Luna einmal kennenlernen.
Allerliebste Grüße
Dori
am 22. September 2008 um 18:51 Uhr.
Liebste Babsi,
warum sich die Menschen so schwer tun, weiß ich auch nicht. Dabei habe ich mir immer vorgestellt, die Österreicher seien doch offener für so etwas als die Deutschen. Ich wünsche mir manchmal in solchen Situationen mehr Leichtigkeit. Das macht doch das Leben gleich viel lebenswerter.
Sonnige Grüße
Dori
am 23. September 2008 um 15:46 Uhr.
Liebe Dori,
vielleicht liegt es daran, dass beim Menschenarzt die Menschen selbst betroffen sind, während es beim Tierarzt eben nur ihre Schützlinge sind? Da gehen einem doch jede Menge Horrorszenarien durch den Sinn, wenn man mit einem womöglich undiagnostizierten Leiden im Wartezimmer eines Arztes hockt…
Würden WIR uns beim Arzt oder anderswo begegnen, würdest du in mir auch nicht gerade das offenherzige Quatschfass antreffen. Ich schreibe zwar wahnsinnig gern, bin aber sonst eher die Zurückhaltende, die anderen den ersten Schritt überlässt. Was aber nicht heißen muss, dass ich mich nicht für andere interessierte oder dass ich nichts zu sagen hätte!
Liebe Grüße, Josephine
am 23. September 2008 um 21:06 Uhr.
liebe Dori….nun mußte ich schmunzeln :-)))
ich finde wiederrum die deutschen offener.allerdings bezieh ich mich nun besonders auf die wiener.:))
aber ich denk das ist keine länderspezifische sachen sondern eine typfrage :)))
glg Babsi