Begegnungen - gestern in Zons am Rhein
Für Matzel (Lektion im Leute ansprechen)
Ein traumhaft schöner Tag. Strahlendblauer Himmel, kleine weiße Wölkchen, ein angenehmer Wind, 28 Grad. Herrlich. So kann es vor mir aus bis zum nächsten Sommer bleiben, okay, 25 Grad sind auch in Ordnung. Was liegt an solch einem schönen (Urlaubs) Tag näher als ein Picknick am Rhein?
In Zons angekommen gehe ich erst einmal zum Rheintorbogen, unter dem sich ein deutsches! Eiscafé befindet. Ich war schon vor einer Woche hier, aber es war geschlossen. Es hing ein Schild an der Tür: “Bei schlechtem Wetter geschlossen.” Seit einer Woche träume ich von dem köstlichen Schokoladeneis mit einem Berg Sahne obendrauf. Das gönne ich mir jetzt: 2 Kugeln im Hörnchen, einen dicken Berg Sahne und ein kleines Löffelchen, damit man es vernünftig essen kann.
Ich setze mich auf eine der Bänke, und bei jedem Löffelchen Eis muss ich die Augen schließen, so köstlich ist das. Das ältere Ehepaar auf der Bank neben mir schaut ständig herüber. Ich drehe mich zu ihnen hin und sage: Ist das nicht das köstlichste Eis, was Sie jemals gegessen haben? Sie stimmen zu und zack: wir sind im Gespräch. Sie kommen aus Worringen. Nach einer Weile - das Eis ist längstens aufgegessen - verabschiede ich mich. Schließlich bin ich nicht zum Leute anquatschen hergekommen, ich will mich sonnen!
Ich gehe über den Deich und suche mir ein schönes Plätzchen. Es sind nicht so viele Menschen am “Strand”. Schließlich ist Wochentag und wer kann es sich da schon erlauben, am Rhein herumzuliegen? Ich breite meine Decke aus, ordne meine Sachen schön herum und will mich gerade hinlegen, da fällt mein Blick auf eine junge Asiatin mit einem bezaubernden kleinen Mädchen von cirka 2 Jahren. Sie schaut mich erwartungsvoll an. Aha, denke ich, so einfach ist das. Sie trägt um ihren Hals einen außergewöhnlich schönen Anhanger an einer Kette, und ich sage: Was für eine schöne Kette! Sie strahlt mich an, kommt herüber, das kleine Mädchen auf dem Arm und sagt: Ja, den hat mir meine Mutter geschickt. Es ist ein Buddha aus Perlmutt, in Gold gefasst, traumhaft schön. Sie kommt aus Vietnam, lebte dort am Meer, wo auch diese schönen Schmuckstücke gefertigt werden, und wenn sie es vor Sehnsucht nach ihrer Heimat gar nicht mehr aushalten kann, dann kommt sie an den Rhein. Irgendwann “verlässt” sie mich, ihr Mann kommt gleich von der Arbeit nach Hause, und sie wollen zusammen essen. Und sie würde sich sehr freuen, mich noch einmal zu sehen
Kurz darauf - es ist cirka 16.30 Uhr - kommt ein sehr sehr sehr sehr attraktiver Mann mit einem sehr sehr sehr sehr schönen Hund an den “Strand”, genau so einem schönen Hund, wie ich ihn mir wünsche. Der Hund geht schwimmen, der Mann bleibt entspannt neben mir stehen, und ich sage: Was für ein schöner Hund
Zack, wir sind im Gespräch. Ich weiss wie alt der Hund ist, dass er leidenschaftlich gerne schwimmt (der Hund, der Mann aber auch, nur nicht im Rhein), dass er selbständig arbeitet (der Mann) und deshalb seinen Hund immer bei sich haben kann. Welch ideale Voraussetzungen. Ich meine natürlich für den Hund.
Lieber Matzel: jetzt sag einmal, was ist denn daran so schwierig? Die Menschen freuen sich so über eine Ansprache, und je öfter Du Dich traust und je öfter Du die schönsten Kontakte dadurch hast, desto mehr macht es Dir auch Spass ![]()

am 10. September 2008 um 20:35 Uhr.
Liebste Dori, Du zauberst mit dieser wunderbaren wahren Geschichte ein fröhliches Lächeln auf mein Gesicht. Ich seh Dich förmlich vor mir, wie Du auf die Menschen zugehst, wie offen Du durch ein nettes Wort eine Verbindung zu ihnen herstellst. Ich kann das gut nachvollziehen, da ich ähnlich bin. Ich liebe es, die Geschichte anderer Menschen zu hören…auch als Momentaufnahme… Macht das nicht einfach unsagbar Spass? ♥ -lichste Grüsse Andrea
am 10. September 2008 um 22:00 Uhr.
Liebste Andrea,
dieser Urlaub ist - obwohl ich nicht verreise - wirklich der Urlaub, den ich mir seit langem gewünscht habe. Das Wetter spielt mit - heute wieder 27 Grad und strahlendblauer Himmel am Rhein. Alleine was ich heute wieder erlebt habe - es ist unglaublich. Die Menschen yibbern förmlich, angesprochen und angelächelt zu werden. Sie öffnen sich und erzählen mir ihre Lebensgeschichten. Ein einziges Wort genügt. Das macht mir toootal viel Spass, und ich kann mir so einiges vorstellen in meiner nahen und auch ferneren Zukunft.
Ich drücke Dich ganz feste,
Dori
am 11. September 2008 um 9:23 Uhr.
Liebste Dori,
Es ist so erfrischend, so nett zu lesen!!! Und du hast recht, was man alles erreichen kann, wenn man sich öffnet, auf Menschen zugeht, ein paar positive Worte sagt - es ist keine Zauberei und wirkt aber doch be-zaubernd 
auch mich hast du mit deiner Erzählung zum Lächeln gebracht, zum Lachen sogar
Liebste Sonnengrüße von Elisabeth
am 11. September 2008 um 9:33 Uhr.
Liebste Elisabeth,
was ich alleine gestern wieder alles erlebt habe
Ich glaube, darüber werde ich noch ein Post schreiben.
Ich hatte sogar zeitweise einen Hund
Ich hätte das vor wenigen Jahren noch nicht gekonnt: einfach den Mund aufmachen und die Leute ansprechen. Mit der Zeit bekommt man auch ein Gespür dafür, wer angesprochen werden möchte und wer nicht.
Ich sende Dir die allersonnigsten Herzensgrüße,
mache mich gleich wieder auf den Weg
Dori
am 12. September 2008 um 0:34 Uhr.
Liebe Dori,
ich hab dem Matzel die Geschichte vorgelesen.
Er ist jetzt sehr verunsichert. Weil das bei Dir so locker
klappt. Und jetzt habe ich den Salat.
Er ist noch verunsicherter als vorher.
Ich hab ihm gesagt: “Da musst Du ganz alleine durch!
Geh in die große weite Welt und matzel Dich durch!”
Jetzt überlegt er sich, wann er denn mit den 30 Tagen anfangen
will…
Und ich soll Dir von ihm noch sagen, dass er Deine Begegebenheiten
einfach schön erzählt findet. Und er liebt übrigens auch den Rhein.
Ohne Rhein wär alles nichts, meint er.
Liebe Grüße auch von mir,
Ulf
am 12. September 2008 um 8:10 Uhr.
Lieber Ulf,
beinah muss ich schon sagen: der arme Matzel
Wieso ist er denn jetzt noch verunsicherter? Wann er mit den 30 Tagen anfängt, bleibt natürlich ihm selbst überlassen. Aber je eher desto besser. Wenn einmal der Bann gebrochen ist…..
Erzähl ihm doch von dem Mann in dem Zug - den, den ich mich nicht getraut habe anzusprechen, was ich nach einem halben Jahr immer noch bedauere. Übrigens sind Hundebesitzer zum Üben auch sehr geeignet
In einem hat der Matzel Recht: ohne Rhein wär alles wirklich nichts.
Euch beiden ein schönes Wochenende aus dem
zutiefst nebligen Neuss,
Dori
am 12. September 2008 um 10:34 Uhr.
Liebe Dori
Ein herrlich erfrischender, amüsanter Text.
Und bei jeder deiner “Anquatsch-Übungen” saß ich hier und nickte - denn deine Worte hätten genauso gut meine eigenen sein können. *grins* Nur mit dem Unterschied, dass ich so was gar nicht erst üben muss, denn es liegt in meinem Naturell. Was nicht immer positiv ist … seufz … Manchmal ist mir echt peinlich, wenn ich schon wieder einen Fremden einfach angesprochen habe … an der Brottheke, an der Wursttheke, beim Warten an der Verkehrsampel, im Wartezimmer beim Arzt… das kommt einfach so `über mich´ und manchmal ärgere ich mich über mich mich selbst, weil ich mal wieder mein Mundwerk nicht im Zaum halten konnte. *stöhn*
Aber es ist wirklich so, wie du sagst: meistens freuen sich die Menschen, dass sie angesprochen werden und plaudern fröhlich mit! Das erstaunt mich immer wieder. Und so ein nettes, spontanes Gespräch kann durchaus wie ein wärmender Sonnenstrahl einen `grauen´ Tag vertreiben - für die Angesprochenen ebenso, wie für uns selbst
Liebe Grüße in den verregneten Tag
aber mit sonnigem Gemüt
von Wally
am 12. September 2008 um 23:02 Uhr.
Hihi Wally,
das Anquatschen musste ich zuerst üben, das ist wahr. Aber inzwischen klappt das reibungslos.
Die Menschen sind meistens sehr erfreut, manchmal jedoch auch irritiert, weil sie nicht wissen, wie sie mit so viel Freundlichkeit umgehen sollen.
Sonnige Grüße aus dem zutiefst verregneten Neuss,
Dori
am 14. September 2008 um 14:51 Uhr.
Liebe Dori,
auch ich musste beim Lesen lächeln. Wunderschön geschrieben, war irgendwie mit dabei. Schöne Lektion für Matzel.
Früher hätte ich auch keinen ansprechen können. War viel zu schüchtern. Heute kommt es auf meine Tagesverfassung an, aber manchmal kommt es ganz von selbst. Dann sag ich einfach was und schwupps… und mit meinem Hündchen geht das noch leichter. Allerdings nur, wenn der andere Hund nicht auch ein Rüde ist…
Neuss, guck mal an, ist gar nicht soo weit von hier.
Liebe Grüße,
Martina
am 14. September 2008 um 19:47 Uhr.
Liebe Martina,
holla - Du wohnst ja um die Ecke
Wer hätte das gedacht. Und dass Du einen Hund hast
Der ist beim Universum bestellt, aber noch nicht da. Mit einem Hund kommt man natürlich direkt ins Gespräch. Aber als Nochnichthundebesitzer komme ich auch ganz schnell mit Hundebesitzern ins Gespräch. Man braucht ja nur zu sagen: Was für ein schöner Hund
Lieben Dank für Deinen Besuch auf meinem Blog.
Sonnige Grüße für einen schönen Sonntag Abend,
Dori