Das Ende einer Freundschaft?

Wir lernten uns vor cirka einem Jahr kennen. Es ging uns beiden schlecht. Nein, nicht nur schlecht, es ging uns hundsmiserabel elendig schlecht. Ich hatte gerade eine OP überstanden, und er hatte vor einiger Zeit seine Frau verloren. Ich ging jeden Nachmittag am Rhein spazieren, um wieder fit zu werden, und sah ihn bereits am zweiten Tag. Sein wunderschöner Hund zog meine Aufmerksamkeit auf sich und wir kamen ins Gespräch. Seither sind wir viele Male am Rhein spazieren gegangen, und es entwickelte sich… ich würde es nicht Freundschaft nennen, eher Bekanntschaft. Ich finde, für solche Beziehungen gibt es irgendwie nicht das richtige Wort.

Das ist jetzt alles ein Jahr her. Unsere Spaziergänge sind seltener geworden, denn ich bin seit langem wieder mitten im Leben und muss mir meine Zeit ein wenig einteilen. Auch sind die Treffen für mich inzwischen nicht mehr erfreulich. Denn er ist immer noch an dem gleichen Punkt wie heute vor einem Jahr. Er trauert immer noch, das ganze Leben macht für ihn keinen Sinn mehr, seine Wochenenden sind einsam, und wenn er seinen Hund nicht hätte….

Ja, und ich habe es ja gut. (????) Denn ich bin stark und lebensfroh und energiegeladen und habe es von daher viel leichter als er. Außerdem habe ich ja auch zwei Kinder, und er ist ganz alleine.

Die Treffen mit ihm werden für mich immer beschwerlicher. Er sitzt seit eineinhalb Jahren in einem tiefen Loch und kommt nicht heraus. Alle Impulse, die ich ihm gegeben habe und alle Denkanstöße werden nicht (an)genommen. Er hat den Weg des Leidens gewählt. Ich fühle mich in seiner Gegenwart inzwischen so unwohl, dass ich mir jetzt ernsthaft überlege, mich nicht mehr mit ihm zu treffen und die Beziehung abzubrechen.

Kennt ihr das? Habt ihr das schon einmal erlebt? Was macht ihr mit diesen Menschen in Eurem Umfeld, die einfach nur leiden wollen und die versuchen, Dich mit auf ihr Level runter zu ziehen?

21 Kommentare zu “Das Ende einer Freundschaft?”

  1. Elisabeth

    Hm, liebste Dori,
    das macht mich nachdenklich, denn sicher kenne ich solche Situationen, nicht ganz so dramatisch, aber auswegslos scheinend, weil das Gegenüber aus dem Loch nicht heraus kommt, es nicht schafft, raus zu kommen trotz aller Möglichkeiten, die man ihm eröffnet.
    Gib ihm Zeit. Und gib ihm eine Aufgabe, etwas, das seine Aufmerksamkeit anzieht und ihn ablenkt, sodass seine Gedanken sich woanders sinnvoll sammeln können. Was ist es, was seinem Leben zur Zeit Sinn gibt? Versuche das herauszufinden. Bzw. soll ER sich darüber Gedanken machen - was gibt es alles, wofür es sich für ihn zu leben lohnt? Wenn er darüber nachdenkt, wird er viel finden - hoffe ich, ansonsten kannst du ihn dabei unterstützen, es herauszufinden. Was meinst du?

    Eine ganz liebe Umarmung von Elisabeth

  2. Dori

    Liebste Elisabeth,

    HEZRlichen Dank für Deinen Kommentar. Das, was Du vorschlägst, hatten wir bereits alles. Er WILL NICHT. Da fühle ich mich leider macht- und hilflos und bin - ehrlich gesagt - bereit loszulassen.

    Nachdenkliche Grüße

    Dori

  3. Gabaretha

    Liebe Dori,
    als Therapeutin werde ich sehr häufig mit dieser Thematik konfrontiert. Auch für mich war es früher sehr schmerzhaft, erkennen zu müssen, dass sich nicht jeder Mensch (von mir!) helfen lassen will. Auch ich hab gelernt loszulassen. Was sehr schwer ist, wenn Dir jemand ganz besonders am Herzen liegt. Aber wie ja schon mal erwähnt, bedeutet loslassen für mich nicht, dass ich mich von diesem Menschen (oder meinem Wunsch) abrücken oder entfernen muss. Ich versuche dann zu signalisieren, dass ich gesprächsbereit bin, falls der Mensch meine Hilfe sucht und wünscht.
    Liebe Dori, Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben und nur für Dich und Deine Entscheidungen verantwortlich.
    Für mich gibt keine Zufälle und alles hat einen Sinn, deshalb versuche ich in diesem Fall immer meine eigene Lernerfahrung hinter der Begegnung zu finden.
    Vielleicht könntest Du versuchen ein mentales Video für diesen Menschen zu senden? Aber wahrscheinlich hast Du das längst ;-)
    Ich wünsche Dir einen angenehmen und guten Start in die Woche,
    alles Liebe,
    Gaba

  4. Norbert

    Hallo Dori,
    Welche Antwort erhältst Du, wenn Du Dir die Frage stellst:
    “Warum sehe ich diesen Menschen?
    Was hat das mit mir zu tun?
    Warum will ich ihm helfen?”

    Es gibt ja die Erkenntnis, dass der Andere nur ein Spiegel ist!

    Wenn Du einen Fleck auf Deiner Nase im Spiegel erkennst, putzt Du dann den Spiegel oder die Nase?

    LG
    Norbert :-)

  5. Dori

    Liebste Gaba,

    Du hast Recht! Natürlich habe ich ein mentales Video für ihn abgeschickt und ganz viel Licht und Liebe mit hineingepackt :-)

    Ich hatte mich bereits vor dem Schreiben dieses Posts entschlossen loszulassen. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich die Dinge dann wie von selbst klären und sich alles in Wohlgefallen auflöst.

    Jede Begegnung mit einem anderen Menschen hat irgendeine Bedeutung. Vielleicht war es vor einem Jahr gut so, dass wir uns gegenseitig unterstützt und getröstet haben. Nun ist jedoch ein Jahr vergangen, und wir befinden uns nicht mehr auf der gleichen Ebene, die Ent-Wicklung geht in verschiedene Richtungen weiter. Trotzdem schätze ich diesen Menschen nach wie vor sehr.

    Zur Zeit ist es halt so, dass meine Ratschläge und Ideen kommentiert werden mit “Du verstehst mich ja doch nicht”.

    Ich wünsche Dir einen strahlendschönen Wochenanfang,
    besser und besser,

    Dori

  6. Dori

    Lieber Norbert,

    ich habe gerade mal in den Spiegel geschaut ;-)
    Da war tatsächlich noch ein Fleck auf meiner Nase!

    Aber Spass beiseite. Dieser Mensch erinnert mich daran, wie ich einmal gewesen bin. Ich war einfach nicht mehr bereit, irgendwo etwas Positives zu sehen. Meine Freunde hatten eine unendliche Geduld mit mir und haben sich immer wieder dasselbe anhören müssen. Sie sind trotzdem alle bei mir geblieben!

    Danke, dass Du mir diesen Blickwinkel gezeigt hast.

    Liebe Grüße
    Dori :-)

  7. Grye Owl Calluna

    Liebe Dori!
    Es kostet oft verdammt viel Kraft positive Energie aufrecht zu erhalten, besonders wenn das Umfeld negativ ist. “So gut” haben wir`s da gar nicht.
    Ich kenne solchen Situationen sehr gut. Das ist genau das, was ich letztens meinte. Da kann man schon manchmal fast verzweifeln. Gegen solche Fälle habe ich meine Strastegien entwickelt. Aber es ist oft echt schwer die durch zu ziehen, besonders, wenn es die eigene Familie, im Haus, betrifft, wo Frau nur schlecht entkommen kann. Und “davon laufen” hilft eh nix. Damit ist meißt keinem geholfen. Aber in Deinem Fall,…..wenn Du die Wahl hast,…….würde ich sicher auf Abstand gehen.
    Liebe Grüße
    Grye Owl

  8. Dori

    Meine liebe Grye Owl,

    nein, Weglaufen ist - wie ich finde - keine Lösung. Abgrenzung und Loslassen eher.
    In der eigenen Familie - wenn man diesen Menschen täglich und hautnah um sich hat, ist das natürlich sehr schwierig. Und vor allen Dingen ist das sehr anstrengend, da in seiner Mitte zu bleiben und seine positive Energie aufrecht zu erhalten.

    Ich bin zur Zeit besonders “achtsam”, da ich vor einer Woche das Ultramind-Seminar absolviert habe und sehr sensibel für Schwingungen jeglicher Art bin. Ich gehe täglich 3 Mal auf die Alpha-Ebene - und falls ich mal kurzzeitig aus meiner Mitte “gefallen” bin - komme ich ganz schnell wieder hinein :-)

    Sonnige Grüße

    Dori

  9. Erika

    Liebste Dori,

    solche Menschen muss man sein-lassen können. Ohne schlechtes Gewissen.
    Für mich stellt sich das dar wie der Leidensweg eines Alkoholikers, der auch erst ganz unten gewesen sein muss um wieder hoch zu kommen. In der Fähigkeit nein zu sagen sehe auch einen Aspekt der Selbstliebe.
    Da du aber (angehende) Therapeutin bist, denke ich, dass du einen Weg finden wirst. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es möglich ist, die suchtende Liebe aus dem Solarplexus heraus zu heben und im Herzchakra zu verankern.

    Liebe Grüsse//Erika

  10. Dori

    Liebste Erika,

    das mit dem “schlechten Gewissen haben” bzw. “kein schlechtes Gewissen haben” muss ich noch ein wenig üben. Ich bin so erzogen worden, für alles und jeden Verantwortung zu übernehmen und mich ganz hinten anzustellen. Das ist bei den Frauen meiner Generation oft vorzufinden und ich hoffe sehr, dass die Erziehung heute anders aussieht.

    Sehr schön finde ich den Gedanken, die Gefühle aus dem Solarplexus zu heben und im Herzchakra zu verankern, und ich weiß, wie dies funktioniert.

    Danke Dir liebe Erika.

    Dori

  11. Elisabeth

    Es gibt noch eine Möglichkeit, liebste Dori! *lächel*
    Das habe ich von einem Profi (meinem Trainer Roman Braun) als Tipp bekommen, als von einer meiner Arbeitskolleginen Mann und Kinder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind.
    Und zwar geht es darum, diesem Menschen von einer (Problem-)Situation zu erzählen, in der du gerade selber oder in der jemand anderer ist. Also, es geht darum, dem Gegenüber eine Gelegenheit zu bieten, wo er sich sinnvoll einbringen kann - lass dir von ihm geben und mach ihn dadurch glücklich, dass er dir Unterstützung in dieser Sache sein konnte!
    Ermutige ihn, indem du dich von ihm ermutigen lasst! und sprich danach aus, was du von deinem Gesprächspartner erhalten hast, und gib deiner Freude darüber Ausdruck!

    Was auch immer du machst, liebste Dori, es wird richtig sein!!!
    Eine herz-liche Umarmung von Elisabeth

  12. andrea2007

    Liebe Dori, Dein Beitrag hat mich sehr berührt und ich kann so gut verstehen, dass Du innerlich fast schreist, “warum lässt Du Dir nicht helfen? Warum siehst Du nicht, wie ICH da rausgekommen bin, DU kannst das auch”… oder so ähnlich:-)

    Ich hatte eine sehr gute Freundin, die immer in unglaubliche Situationen geriet, sei es privat oder beruflich. Wir haben dann nächtelang diskutiert, ich hab ihr Ratschläge gegeben (nach denen sie verzweifelt fragte), wir haben Strategien ausgearbeitet usw. Und dann machte sie genau das Gegenteil…und fiel wieder auf die Nase und dann gings von vorne los…

    Sie rief mich manchmal völlig verzweifelt an, ich machte mir Sorgen, hörte dann tagelang nichts, bis ich dann eine Postkarte von den Canaren bekam, ich mache hier 3 Wochen Ferien. Ok, da hab ich’s dann irgendwann kapiert, sie nimmt es viel lockerer als ich!!! ICH machte mir Sorgen, sie machte Urlaub:-)

    Und da merkte ich auch, dass es mit uns einfach nicht mehr stimmte, mein Leben und ich wir hatten uns verändert, weiterentwickelt und sie war stehengeblieben oder auf jeden Fall in eine andere Richtung weitergegangen.

    Wie ich hier in den Kommentaren gelesen habe, man muss dann auch mal loslassen- so schwer es auch fällt und so gern man doch helfen möchte, weil man als Aussenstehender ja noch viel besser sieht, wie es gehen könnte…

    Ich finde es sehr schön, wie verantwortungsbewusst Du mit dieser Bekanntschaft umgehst, wie Du Dich sorgst und immer wieder da warst zum Helfen. Und im Grunde weisst Du schon selber, wie es weitergeht, es aufzuschreiben und all das Feedback zu bekommen, hat Dir sicher nochmal sehr weitergeholfen.
    In der Gewissheit, dass Du Deinem Herzen folgen wirst und alles richtig machst sende ich Dir herzlichste Grüsse Andrea

  13. Astraryllis

    Ich denke, Du solltest diesem Mann zwar noch positive Gedanken und Gefühle schicken, wie z.B. Mitgefühl und der Wunsch, dass er sich dem Licht zuwenden möge, aber Du kannst ihm ja offensichtlich nicht weiterhelfen. - Da bleibt Dir nur, das zu akzeptieren und Dich den Dingen zuzuwenden, wo Du wirklich etwas bewirken kannst.
    Ein ganz klarer Fall für mich.

    Dir noch einen schönen Abend,
    Astraryllis.

  14. rainer

    Liebe Dori, Hilfe zur Selbsthilfe hast Du ja gegeben… Es ist niemals böse oder verkehrt jemanden sein zu lassen, der sich selber helfen kann. Offensichtlich ist sein Rhythmus anders als Deiner…..fielleicht pist Tu tsu ungeduldig myt der Lehrngeschwindigkait von anderän? Schraibän lernt man auch nicht an einem Tag…
    LG Rainer

  15. Dori

    Liebste Elisabeth,

    danke für diesen wirklich tollen Rat, den ich mir sehr zu Herzen nehmen werde, auch für die Zukunft.

    Sonnige Grüße nach Wien,

    Dori

  16. Dori

    Liebste Andrea,

    ja - das nennt man dann wirklich Loslassen. Das, was Du mit meiner Kollegin erlebt hast, habe ich vor Jahren mit einer Freundin erlebt. Ich zermarterte mir den Kopf, wie ich ihr helfen könnte, derweil machte sie Party.

    Diese Situation hier ist eine andere. Da sitzt jemand im Loch und kann alleine nicht heraus, will sich jedoch auch nicht helfen lassen.

    Ich habe beschlossen, ihn vor die Entscheidung zu stellen: entweder will er ein glückliches Leben führen, dann muss er etwas (für sich) tun, oder er will weiterhin unglücklich sein, dann kann ihm niemand helfen.

    Ich danke Dir sehr herzlich für Deine stets warmherzigen Kommentare,

    Dori

  17. Dori

    Liebe Astraryllis,

    danke. Genau zu diesem Schluß bin ich letztendlich auch gekommen. Wie mir scheint, hast Du hier schon Erfahrungen gesammelt in Deinem Leben und kannst mit solchen Situationen gut umgehen.

    Ich habe vor ein paar Jahren einen Mann kennengelernt, der sich immer von mir mit den Worten verabschiedete: “Mach Dich glücklich”. Damals war ich darüber sehr erstaunt. Heute weiß ich, wie es gemeint war.

    Ich sende Dir ein paar Sonnenstrahlen für einen schönen Tag,

    Dori

  18. Dori

    Lieber Rainer :-)

    danke für Deinen Kommentar. Ich sehe mich hier jedoch nichts als Lehrer, sondern eher als Freund. Vielleicht bin ich ja wirklich zu ungeduldig. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch nicht warten, denn ich habe mein eigenes Tempo ;-)

    Ich wünsche Dir einen schönen Tag,

    sonnige Grüße

    Dori

  19. Tino Schwarze

    Mein Freund Erik meinte einmal so schön: “Manche Menschen habe ich lieber aus der Entfernung lieb.”

    Wenn es für Dich nicht mehr stimmig ist, triff ihn nicht mehr. Das mag für manche hartherzig klingen, ist aber möglicherweise das beste, was Du für diesen Menschen tun kannst. Oder einfach zuhören, gar nichts sagen, keine Hinweise, keine Tipps. Ihn einfach so intensiv lieben, wie Du kannst. Loslassen war ja schon die Empfehlung. Ihn einfach so sein lassen, wie er ist - Du weisst nicht, was für ihn das Beste ist.

    Ich hatte mal ein Telefongespräch, das ging 3 Stunden (es lebe die Flatrate!). Die ersten 2,5 Stunden hat meine Gesprächspartnerin nur erzählt, erzählt, erzählt. Ich habe da nur ein paar Nachfragen gestellt, sehr wenig selbst gesagt oder beigetragen, sondern einfach liebevoll zugehört. Irgendwann war sie dann plötzlich still. “Quatsch Dich leer” empfahl mal eine Werbung. Dann ist Platz für Neues. :-) Die letzte halbe Stunde vom Gespräch haben wir nur wenig gesprochen, leise und bedacht, auch mal 5 Minuten geschwiegen am Telefon. Total schön.

    Liebe Grüße,

    Tino.

  20. rainer

    Liebe Dori, auch Freunde geben sich doch Hilfe, ohne dass es ein Lehrer oder Schüler Verhältnis ist? LG Rainer

  21. Schaps

    Wenn er in deiner Gegenwart vor dir auch noch sein Leid ununterbrochen ausbreitet, dann würde ich ernsthaft abbrechen…wenn er einfach nur nicht froh ist, dann behalte es bei. Dann gibt ihm das vielleicht wenigstens noch etwas Halt

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