Alte Schuhe - Neue Wege gehen

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Entweder – Oder?

Kürzlich ist mir mal wieder ein Buch „in die Hände gefallen“. Buchstäblich. Ich stehe in der Buchhandlung vor dem Tisch mit Neuerscheinungen, habe gerade ein Buch in der Hand und lese Probe, da spricht mich jemand von hinten an. Ich drehe mich herum, bleibe mit meiner Tasche hängen und fege genau diesen Stapel Bücher von diesem Tisch: „Raus aus den alten Schuhen“ von Robert Betz.
Vieles, was mich betrifft, habe ich hier wiedergefunden.

Als Kinder wurden wir von unseren Eltern zum Entweder – Oder erzogen. Bei mir war es auf jeden Fall so, und ich denke, bei vielen vielen anderen Menschen meiner Altersgruppe auch.
Alle Menschen, die nicht so waren wie wir (meine Familie) waren entweder doof, oder hochnäsig, oder asozial, oder oder oder……Wir haben nicht gelernt, dass es ein sowohl als auch gibt. Dass andere Menschen das gute Recht haben, ANDERS zu sein. Im Gegenteil, wir haben gelernt, andersartige und anderslebende und andersdenkende im schlimmsten Fall regelrecht zu bekämpfen.

Genau so „schlagen in unserer Brust“ ja auch zwei Herzen. Ich selbst bin zum Beispiel eine mutige Frau. Ich glaube, das von mir selbst behaupten zu können. Trotzdem habe ich auch Ängste. Oder ich bin ein fröhlicher Mensch, der für sein Leben gern lacht. Trotzdem bin ich manchmal traurig. Ich bin auch ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Aber am vergangenen Montag war ich den ganzen Tag aggressiv, ohne einen sichtbaren Grund zu haben. Ich behaupte von mir selbst, ein sehr ehrlicher Mensch zu sein. Aber manchmal sage ich nicht die Wahrheit, sondern schweige lieber. Es gibt etliche Beispiele. Ich habe aber gelernt, die Dinge bzw. mich selbst – so zu akzeptieren, wie sie sind bzw. wie ich bin. Ich bin nun einmal ein Mensch, der sowohl Positives als auch Negatives in sich trägt. Ich möchte so, wie ich bin, akzeptiert werden.

Und genauso möchte ich auch andere Menschen akzeptieren können. Ich arbeite seit Jahren daran, die alten negativen (Denk)Muster in positive zu verwandeln. Dazu gehört auch, andere Menschen so sein zu lassen, wie sie sind. Sie nicht zu be- und zu verurteilen, nur weil sie anders sind, weil sie vielleicht immer negativ sind, eine andere Sichtweise haben, eine andere Kleidung tragen, einen anderen Lifestyle haben, einen anderen Lebensweg gehen, eine andere Religion, Schulbildung, was auch immer haben.

Natürlich falle ich auch von Zeit zu Zeit wieder in meine alte Denkweise zurück. Ich habe aber glücklicherweise Menschen in meinem Umfeld, die dann sagen: Dori, das ist Dein persönlicher Blickwinkel. Das heißt noch lange nicht, dass es auch wirklich so (negativ) ist.

Wer ein Leben lang so denkt, gegen alles ankämpft, was anders ist als er selbst, der muss nicht erstaunt sein, wenn im Laufe seines Lebens immer mehr Menschen aus seinem Umfeld „verschwinden“ und er im Alter alleine und verbittert und mit Sicherheit auch krank ist.

Wenn wir uns selbst so akzeptieren können, wie wir sind – mit allen unseren Facetten – dann können wir auch Mitmenschen (Nachbarn, Kollegen, Verwandte, Kinder, Partner, Freunde) akzeptieren und tolerieren, wie sie sind.

6 Kommentare zu “Alte Schuhe - Neue Wege gehen”

  1. gabaretha

    Liebe Dori,
    was für ein schöner Blogpost!
    Du erklärst hier sehr verständlich und einleuchtend, was jeder Mensch tun kann, wenn er sein Leben selbst in die Hand nehmen und verbessern möchte.
    Offensichtlich hast Du für Dich den schönen und geraden Weg der Ehrlichkeit und Offenheit gewählt, der nach meiner Ansicht auf direktem Weg zu Glück und Zufriedenheit führt.
    Ich wünsche Dir eine schöne, bunte und interessante Reise zu Deinem ganz persönlichen Glück.
    Alles Liebe,
    Gaba

  2. zentao

    Liebe Dori,
    das ist ein ganz Ehrlicher und positiver Beitrag und der spricht mir aus dem Herzen. Vieles was Du da schreibst habe ich auch ähnlich erlebt. Das ist wohl so das Menschen, die sich entwickeln, einerseits ein andere/r sind und doch immer noch der/die gleiche.
    Liebe Grüsse zentao

  3. Ulf Runge

    Liebe Dori,

    Dein Beitrag strahlt soviel von dem aus, was Du nicht beim Namen nennst: Toleranz. Toleranz mit der Andersartigkeit anderer.

    Nur eines müssen wir bisweilen noch lernen, wenn wir uns so in Toleranz üben: Uns selber gegenüber tolerant zu sein. Wenn wir mitunter in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

    Danke Dir für diesen erquicklichen Beitrag!
    Und? Hast Du eines der Bücher käuflich erworben?

    Liebe Grüße,
    Ulf

  4. Astraryllis

    Hallo Dori,

    ich selbst habe in meinem Leben aus vielen verschiedenen Gründen immer wieder Ausgrenzung erlebt. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich mich sehr für Menschen interessiere, die irgendwie “anders” sind. Z.B. in meinem Blog sammle ich immer wieder ungewöhnliche Lebensläufe.
    Und mein Lieblingsfilm ist - natürlich - “Harold und Maude”.

    Dir ein erholsames, richtig schönes Wochenende,
    Astraryllis.

  5. rainer

    Liebe Dori, das ist genial wie Du es mit dem sowohl als auch auf den Punkt gebracht hast. Ein tiefschürfender Post, mit vielen Ebenen, von Dir dicht ausgelotet und persönlich dargebracht. Supaaaaaa…….aaa…..aaaa….aaa
    LG Rainer

  6. Dori

    @ Alle:

    Aus tiefstem Herzen Dank für Eure schönen Kommentare *gerührt lächelnd*

    @ Ulf:
    Das Buch habe ich mir gekauft, ja. Ich “kenne” Robert Betz schon einige Jahre, und er bringt mit dem, was er schreibt, bei mir immer alles auf den Punkt. Wenn man sich seinen Lebensweg auf seiner Homepage anschaut, hat er - genau wie sehr viele von uns - seinem Lebensweg aufgrund einer Krise eine Wende gegeben. Vielleicht kann er die Worte deshalb so wählen, dass sie mich “treffen”.

    Ich wünsche Euch allen einen strahlendschönen Sonntag mit ganz viel Sonnenstahlen und Akzeptanz.

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