Abgrenzungen
Kannst Du Dich abgrenzen? Gegen negative Menschen, negative Energien, negative Schlagzeilen?
Bist Du oft mit Menschen zusammen, wonach Du Dich im Anschluß müde und ausgelaugt fühlst? Oder hast Du dann das Gefühl, Dein Solarplexus ist ein abgrundtiefes Loch?
Nun, dann kannst Du Dich nicht abgrenzen. Und ich muss zugeben, dass es für mich sehr mühsam war, dies zu lernen. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Ich gehöre ja noch zu der Generation Frauen, die immer schön artig sein mussten und die zum Versorger regelrecht erzogen wurden.
Mich abzugrenzen heißt aber auch, mich selbst zu schützen. In meinem privaten Umfeld ist es inzwischen gar nicht mehr nötig, mich abzugrenzen, da ich von positiven Menschen und Energien umgeben bin. Wie ist das aber auf einer anderen Ebene, zum Beispiel der beruflichen?
Ein einfaches Beispiel:
Eine Kollegin hat die Opferrolle für sich gewählt. Ihre Mutter ist krank, der Partner behandelt sie schlecht, die Nachbarn im Haus tyrannisieren sie, sie muss jetzt zum dritten Mal an der Schulter operiert werden, die Schmerzen wollen einfach nicht weggehen, und mit den Nerven ist sie einfach am Ende. Jeden Tag kommt sie und kippt ihren ganzen Seelenmüll vor mir aus. Da ich ein relativ geduldiger Mensch bin, schau ich mir das eine Weile an. Ich gebe gute Ratschläge, die sofort abgeschmettert werden, und mache ich eine Bemerkung über ihren Partner, so nimmt sie den sofort in Schutz. Eines Tages gehe ich in ihr Büro, schließe die Türe hinter mir und sage: „Du, hör mal bitte zu. Du hast Dein Leben, und ich habe meins. Ich möchte nicht, dass Du jeden Tag Deine Negativität bei mir ablädst, denn diese ist nicht meine Energie und hat nichts mit mir zu tun.“
Es gibt Menschen, die schauen morgens um 6 Uhr schon das Frühstücksfernsehen, um sich die Negativschlagzeilen so richtig unter die Haut gehen lassen. Ich kann so nicht in einen neuen Tag gehen, und schon gar nicht kann ich abends nach irgendwelchen Horrormeldungen friedlich schlafen gehen. Die für mich wichtigen Nachrichten zum Beispiel kann ich mir auch auf eine andere Art und Weise beschaffen. Ich brauche meine Rituale, meine Meditationen und auch meine Schutzübungen, um in meiner Mitte zu bleiben. Inzwischen habe ich auch gelernt, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, einfach freundlich NEIN zu sagen, wenn ich etwas nicht möchte. In der ersten Zeit waren die Menschen sehr irritiert und manchmal auch böse auf mich, weil sie das von mir nicht kannten.
Bevor ich morgens das Haus verlasse, mache ich eine ganz einfache Schutzübung. Ich stelle mir einfach vor, dass ich komplett in goldenes Licht gehüllt bin, ich befinde mich quasi in einer Schutzhülle aus Gold. Abends, bevor ich ins Bett gehe, reinige ich meine Aura von Negativenergien, die sich eventuell im Laufe des Tages dort angesammelt haben.
Inzwischen bin ich mir selbst der wichtigste Mensch in meinem Leben. Und wie die Kahuna-Frauen so schön sagen:
Sorge in erster Linie für Dich selbst.
Dann sorge für Deine Kinder und Deinen Mann.
Und wenn Du dann noch etwas übrig hast, dann sorge auch für andere Menschen.
Und: Sei fröhlich und feiere das Leben.
am 13. Juni 2008 um 18:39 Uhr.
Liebe Dori,
das hört sich sehr vernünftig an. Ich mach es auch so, nur gelingt es nicht immer. Unglaublich was alles an einen herangetragen wird. Und womit sich die Menschen selber vom Glück abschneiden. Schlimm ist, dass Energievampyrismus von der einen Generation an die nächste weitergegeben wird und wie die Lüge das Familienleben und das Umfeld dirigiert. Da halte ich ganz bewusst Abstand.
Ganz liebe Grüsse//Erika
am 13. Juni 2008 um 19:52 Uhr.
Liebe Dori,
dein heutiger Eintrag spricht mich besonders an, da auch ich lange Jahre an diesem “kleinen Sprachfehler” gelitten habe: Das “nein” kam mir einfach nicht über die Lippen. Mit zunehmendem Alter wird zum Glück nicht alles nur immer schlechter, sondern manches im Gegenteil besser. Heute sage ich nein ohne Hemmungen und Schuldgefühle, wenn ich mir sicher bin, es vor mir und meinem Gegenüber verantworten zu können. Und wie du es am Beispiel der “Negativ-Kollegin” ganz anschaulich beschreibst, entsteht diese Sicherheit aus Erfahrung.
Vor einiger Zeit habe ich ein Gedicht dazu geschrieben, das ich dir und deinen LeserInnen gern hierlassen möchte, weil es zu deinen heutigen Zeilen passt.
Viele liebe Grüße - Judith
Die Kunst, nein zu sagen
ja habe ich oft gesagt
und eigentlich nein gemeint
habe kein nein gewagt
weil es so negativ scheint
ja habe ich oft gesagt
und es manchmal bereut
gern hat man mich gefragt
und sich an mir erfreut
dann habe ich es gewagt
es kann so einfach sein
mich einmal selbst gefragt
jetzt sage ich ja zum nein
am 14. Juni 2008 um 10:58 Uhr.
Liebe Dori. Ein wunderschöner Post, weil es eine persönliche Geschichte der Abgrenzung ist. Die Kahuna-Frauen, die in sonnigen Gegenden leben sind sehr weise.
Manchmal habe ich das Gefühl, junge Leute heute einfacher in das ‘ich sorge mich zuerst um mich selber’ hineinrutschen und das die Erziehung zum ‘Versorger’ auf dem Rückzug ist.
Sonnige Grüße an die Sonnenfrau.
am 14. Juni 2008 um 21:18 Uhr.
Nein sagen zu können, ist eine wichtige Fähigkeit. Ich habe auch oft viel Geduld mit anderen. Aber irgendwann kommt ein Punkt, da mache ich das nicht mehr mit und sage “Nein!”. Es war ein schweres Stück Arbeit so weit zu kommen, dass ich diesen Strich ziehen kann.
am 15. Juni 2008 um 8:47 Uhr.
Liebe Dori,
da bist du in deiner Entwicklung schon weiter als ich.
Mir fällt das abgrenzen noch ganz schön schwer, und Situationen, die du beschreibst, kenne ich auch nur zur Genüge.
Ich bin als jemand bekannt, der gut zuhören kann.
Ich dachte immer, das sei eine positive Eigenschaft, aber ich merke, dass viele diese mißbrauchen, um bei mir ihren ganzen Seelenmüll abzuladen. Natürlich hat das Auswrikungen auf meine positiven Gefühle, sind sozusagen wahre Energieräuber, aber ich habe noch nicht ie richtige Methode gefunden, das abzustellen.
Danke für deinen Beitrag - der ist für mich Anregung, da mal näher drüber nachzudenken. Werde ich vielleicht auch mal als Blogthema wählen…
Liebe Grüße
Irene
am 15. Juni 2008 um 12:45 Uhr.
Für mich ist Abgrenzung nur selten nötig. Meist genügt Durchlassen.
Abgrenzung und Schutz hat für mich etwas von Widerstand und Kampf. Das erzeugt nur Gegenkräfte - wer ein Schild trägt, rechnet mit dem Schwert und wird auch ein Schwert bekommen.
Um in seiner Mitte zu sein braucht man keinen Schutz - man ist dort geschützt. Und wenn man mal “aus seiner Mitte gerät”, dann geht man eben wieder hinein.
Für mich ist dabei eine einfache Bewusstseinsübung hilfreich: Mir die Verbindung Himmel-Ich-Erde bewusst zu machen, den Silberfaden und Zentralkanal in meine Aufmerksamkeit zu nehmen und den Energiefluss zu visualisieren. Dann bin ich im Fluss, in der Mitte und in der Verbindung, in der Vertikale. Horizontale “Angriffe” (wie z.B. sog. Energievampire) haben dann keine Resonanzfläche mehr.
Der “Fehler” beim Zuhören ist, dass wir oft unsere Aufmerksamkeit auf den Sprechenden richten, dabei von uns weggehen. Wenn wir aber bei uns bleiben mit unserem Aufmerksamkeitsfokus (z.B. im Herzbereich), gewinnen wir ein besseres Bild und werden nicht so mitgezogen, können bei unseren Wahrnehmungen und Gefühlen bleiben und beim anderen lassen, was zu ihm/ihr gehört.
Wir können unsere Aufmerksamkeit wie eine Taschenlampe (oder Laserpointer) verwenden - sie gezielt auf einen Punkt richten oder weit werden lassen und zum Beispiel einen ganzen Raum damit erfassen. Mit etwas Übung kann man sie teilen und gleichzeitig bei sich und einem anderen Menschen sein. Wichtig ist, dass wir immer einen Teil unserer Aufmerksamkeit bei uns haben. Dann brauchen wir auch keinen Schutz mehr. Wir sind geschützt.
Alles Liebe,
Tino.
am 17. Juni 2008 um 9:43 Uhr.
liebe dori, da triffst Du wieder mal den Kern; ja, abgrenzen und ohne schlechtes Gewissen “Nein” zu sagen, das muss man lernen. ich schaue schon lange keine schreckensnachrichten mehr, ich merke, dass ich das auch immer weniger “ertrage”- genauso wie brutale Szenen in Filmen, da fühl ich mich sofort so schrecklich unwohl. wenn ich dem nicht aus dem weg gehen kann, versuche ich, es nicht so tief an mich ranzulassen, also ich schütze mich innerlich. mitgefühl, aber nicht mit runterziehen lassen. das mit dem “Durchlassen” von Timo kommt dem nahe.
Das mit der Kollegin ist ein super Bespiel. Ich kann noch den Tipp geben, dass es auch genauso gut hilft, in einem entspannten Zustand (ich mach es meist vor dem Schlafen) in Gedanken ganz intensiv mit Menschen zu sprechen, sozusagen “aufräumen”, das tut wahnsinnig gut und ich schlafe immer sehr tief und entspannt danach.
sonnige grüsse (aus dem herzen, denn hier regnet es ganz doll) Andrea