Mehr Zeit zu leben
Mehr Zeit zu leben - der Demografische Wandel
dies ist die Themenreihe in dieser Woche im Westdeutschen Rundfunk. Fakt ist, dass gerade auch hier bei uns in Deutschland die Menschen immer länger leben. Neben sehr vielen interessanten, informativen Beiträgen gab es im WDR auch eine Hörerumfrage: Woran merken Sie, dass Sie älter werden?
Ich merke das Älterwerden an folgenden Dingen:
Im Fitness-Studio hat man mir kürzlich das “Senioren-Programm” angeboten. Ich bin 53. Ab 50 ist man dort im Seniorenprogramm.
Ohne Lesebrille geht gar nichts mehr. Produktbeschreibungen auf irgendwelchen Verpackungen sind sogar oftmals mit Lesebrille schwer zu lesen.
Ich kann bestimmte Musik nicht mehr hören. Mein Musikgeschmack hat sich in den letzten Jahren beständig gewandelt und ich stelle fest, dass ich klassische Musik schön finde, was früher absolut undenkbar gewesen wäre.
Meine Vorstellungen sind sehr klar. Ich bin weniger kompromißbereit. Ich denke, die Zeit, die ich (noch) habe, muss ich sinnvoll nutzen. Dazu gehört, dass ich mehr in der Gegenwart lebe und weniger Zukunftspläne habe. Sicherlich habe ich Ziele, die in die Zukunft hineinreichen, aber es wird nicht mehr so viel auf die lange Bank geschoben.
Ich bin harmoniebedürftig. Mißstimmigkeiten und ständig schlecht gelaunte oder depressive Menschen, die meine Energie “fressen”, haben in meinem Umfeld nichts mehr zu suchen. Ich habe jederzeit ein offenes Ohr und helfe gerne. Aber wenn ich merke, dass alle meine Ratschläge mit “ja aber” abgetan werden, dann ist der Fall auch sehr schnell erledigt.
Ich bin süchtig nach Natur. Während mir das als junger Mensch nicht viel bedeutet hat, draußen und in der Natur zu sein, so bin ich jetzt in jeder freien Minute unterwegs, entweder am Rhein, oder in den schönen Feldern in meinem Umfeld, wo jetzt der Raps anfängt zu blühen, einfach schön.
Ich lebe bewußter. Ich achte sehr auf meine Ernährung, was nicht bedeutet, dass ich nicht mehr geniesse. Auch achte ich sehr auf Qualität meiner Nahrungsmittel.
Mein Freundeskreis hat sich komplett geändert. Nach dem Motto: Qualität statt Quantität. Während es mir als junger Mensch wichtig war, so viele Menschen wie möglich zu kennen, brauche ich heute nur eine Handvoll wirklich guter Freunde, die an meiner Seite sind, um mich gut zu fühlen.
Ich stelle fest, dass Männer nun meiner 29-jährigen Tochter sehr aufmerksame Blicke zuwerfen, während die früher ausschließlich mir galten, wenn wir zusammen unterwegs waren
. Was mich im übrigen sehr stolz macht als Mutter.
Ach ja: und dann kann ich nachmittags keinen Kaffee mehr trinken, sonst kann ich nachts nicht schlafen. Und lange feiern bis in die Morgenstunden geht auch nicht mehr, der Tag danach ist Horror.
Und was sehr schön ist: Ich habe keinerlei Verpflichtungen mehr. Meine Kinder sind erwachsen und erfolgreich in ihren Berufen, meine Tochter heiratet in ein paar Wochen. Außer für mich selbst brauche ich keine Verantwortung mehr zu tragen. Ich kann mich voll und ganz auf die Dinge konzentrieren, die mir am Herzen liegen. Und das ist ein schönes Gefühl.
Woran merkt Ihr das Älterwerden? Ich bin gespannt auf Eure Antworten.
am 23. April 2008 um 11:16 Uhr.
Ich finde es gut, dass Du beschreibst, wie man mit dem Älterwerden auch immer wieder neue Bereiche und Interessen entdecken kann. Mir geht es ähnlich. Für klassische Musik und Natur konnte ich mich schon in jungen Jahren begeistern.
Bei mir kommt im Moment als neuer Bereich gerade hinzu, dass ich mir den Traum erfülle, den ich seit meiner Kindheit habe: Ich arbeite an einem eigenen Roman, den ich dieses Mal auch beenden und fertig stellen werde. Romanentwürfe und Geschichten habe ich in meinem Leben viele geschrieben, aber erst jetzt bin ich mir ganz sicher, dass ich diese große Aufgabe wirklich bewältigen kann.
Vielleicht werde ich nie gedruckt, aber allein schon dass ich mit dem Schreiben eine neue, große Aufgabe habe, ist wundervoll. Bis heute hätte ich mir so etwas nie zugetraut und nicht in Angriff genommen. Ich merke daran, dass ich dazu nun endlich den Mut und auch die nötige Ausdauer, den nötigen Fleiß habe, dass ich älter werde.
In meiner vermutlich nun zweiten Lebenshälfte (-ich bin 43-) fühle ich mich sehr wohl. Zwar klappt es mit dem Sehen ohne Brille auch bei mir zunehmend schlechter, aber insgesamt fühle ich mich glücklicher und gelassener als in meiner Jugend. Es ist ein gutes Gefühl sich selbst und den eigenen Platz im Leben gefunden zu haben.
am 23. April 2008 um 15:42 Uhr.
Ja, ja liebe Dori so ist das
Betrachte es doch mal so:
Du wirst nicht älter sondern reifer.
Reife hat etwas mit Vollkommenheit zu tun, mit Süße, Vertrauen, Erfahrung und vieles mehr. Bevorzugst Du reifes Obst, oder unreifes? Vertraust Du einem 25 jährigen Lebensberater oder eher dem 65 jährigen?
Das alles hat mit Reife zu tun.
Wie ist das mit dem Sehen? Das Wesentliche sieht man doch nur mit dem Herzen. Das ist, wie ich bei Dir lesen kann, nicht blind.
Oder, wenn Du am Nachmittag Kaffee trinkst, kannst Du nachts nicht mehr schlafen! Heute ist es umgekehrt, wenn Du schläfst kannst Du keinen Kaffe mehr trinken. Na und?
Na, das mit den Blicken der Männer, das ist Deine subjektive Wahrnehmung.
Jetzt kommen die Enkelkinder, die man so verwöhnen darf, wie es bei den Eigenen nicht möglich war.
Ich muss hier aufhören, sonst überfrachte ich das Internet.
Ich wünsche Dir den Hochgenuß der Reife.
Beste Grüsse
Norbert :-))
am 23. April 2008 um 21:53 Uhr.
Liebe Dori, Du hast den Zeitgeist wunderbar getroffen. Alter sollte ein Thema sein, mit dem Menschen sich frührzeitig auseinandersetzen.
Dass ich älter werde merke ich eigentlich daran, dass mein Körper Zeichen der Alterung zeigt. Die Haare weichen, der Babycharme ist lange schon verloren. Im Innern fühle ich mich allerding immer noch jung.
am 23. April 2008 um 23:39 Uhr.
Liebe Dori,
ich sehe Du bist ein glücklicher Mensch. Jetzt kommt die schönste Zeit des Lebens, freue Dich darauf, plane so wenig als möglich, nimm jeden Tag so wie er kommt. Sag jeden Morgen und jeden Abend dem Universum oder wer auch immer, für ALLES danke. Auch für die weniger guten. Was auch immer kommt, sei offen für alles. Nimm alles was kommt, so an wie wenn Du es beim Universum bestellt hättest.
Liebe Grüsse zentao
am 24. April 2008 um 0:32 Uhr.
Liebe Dori,
ich möchte mich im Wesentlichen meinen Vorkommentatoren anschließen. Das Älterwerden hat, wie alles andere auch, Vor- und Nachteile. Das Jungsein haben wir ja schon mal erlebt und jetzt dürfen wir eben andere Erfahrungen aus anderen Blickwinkeln machen.
Allerdings möchte ich noch hinzufügen, dass es nie zu spät ist, etwas Neues zu beginnen oder einen Neuanfang zu wagen.
Nichts muss - alles kann!
Cabrio-sonnige Grüße aus dem Isartal.
Besser und besser,
Gaba
am 24. April 2008 um 11:05 Uhr.
Als mühsam empfinde ich es oft, daran zu denken, die Lesebrille immer dabei zu haben.
Nun nach der Pensionierung von meiner Berusarbeit bin ich glücklich den Tag nach meinem Rhythmus gestalten und einteilen zu können. Auch empfinde ich es als Pluspunkt, dass die Meditation in meinem Leben jetzt eine grössere Rolle spielen darf.
Was Zentao schreibt, finde ich sehr passend für mich, das werde ich mir zu Herzen nehmen. Auch das weiterlernen, dazulernen ist mir sehr wichtig.
Liebe Grüsse von Elfe
am 25. April 2008 um 9:15 Uhr.
Hallo Ihr Lieben, das ist sehr spannend zu lesen und ich schliess mich an, Älter werden hat sehr viele schöne Aspekte.
-Man wird mit mehr Respekt behandelt, es wird mehr Wert auf meine Meinung gelegt und die jungen Kollegen orientieren sich gern an mir. Das ist ein schönes Gefühl.
-Dass die Augen manchmal, wenn ich müde bin, nicht mehr so ganz gut sehen, gleicht sich damit aus, dass sie, wenn ich ausgeschlafen bin, wie gestochen scharf sehen (zumindest das “sale”-Schild bei den tollen Schuhen letztens konnte ich von ganz weit schon erkennen, smile).
-Ich bin gelassener und kann auch mit schwierigen Situationen besser umgehen.
-Ich “muss” es nicht mehr jedem recht machen, denn ich kann besser unterscheiden, was für mich richtig ist und was nicht. Wer zu mir passt und wer nicht.
-Ich mache immer noch gern Party, muss aber nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen…
-Ich werde von jungen Leuten gesiezt und auch wenn ich sie dann duze, bleiben sie beim “Sie” (autsch).
Die Liste könnte ich noch endlos weiterführen, ich hab mir jedoch überlegt, dazu einen eigenen Beitrag zu schreiben, ist wirklich ein interessantes Thema.
Liebe Grüsse an alle Andrea
am 25. April 2008 um 19:14 Uhr.
Hi Dori,
ich bin bereits 55, obwohl ich mich meistens nicht immer so fühle, spüre ich allerdings an fast den gleichen Dingen wie du mein biologisches Alter:
- Lange Nächte stecke ich nicht mehr gut weg. War dann etwa noch Alkohol im Spiel bin ich am nächsten Tag krank. Das war in jungen Tagen nicht so.
- Kaffee am Nachmittag geht auch nicht mehr.
- Trotz Gleitsichtbrille fällt mir das Einfädeln einer Nähnadel schwer.
- Ich bin nicht mehr so verbissen ehrgeizig, im Haushalt, im Beruf und im Allem. Ich kann über vieles hinwegsehen, was früher nicht möglich war.
- Ich kann mich gut mit mir selbst beschäftigen. Langeweile, wie ich sie in jungen Jahren verspürte, kenne ich heute nicht mehr.
- Was die Musik betrifft, da bin ich nach wie vor aufgeschlossen. Ich mag alles. Das geht über Klassik, Rock und Pop, deutscher Schlager und alte Volkslieder. Auch die Technomusik meines Sohnes mag ich, allerdings diese dosiert.
Gruß
Christa
am 27. April 2008 um 9:48 Uhr.
[...] älter wir werden, desto jünger werden die 18-jährigen ;-) Bei meinen lieben Blog-Kollegen Dori und Ulf geht es grad um’s Älterwerden. Vor meinem 40.Geburtstag hatte ich meine einzige und [...]