Freude am 3. Advent

In Gabas Blog las ich soeben ihr heutiges Post über Freude. Und ich stelle mir ganz erstaunt die Frage: wann habe ich MIR SELBST zuletzt eine Freude bereitet? Etwas getan, für mich, wirklich nur für mich selbst.

Die meiste Zeit meines Lebens war ich tatsächlich damit beschäftigt zu sehen, dass es anderen Menschen gut ging. Ich tat alles oder sehr vieles, um die verschiedensten Menschen in meinem Leben zufrieden zu stellen: meine Eltern, meine Lehrer, meine diversen Chefs, meine Kinder, und nicht zuletzt meine Partner. Immer war ich beschäftigt, pausenlos unterwegs, um die Existenz meiner Kinder zu sichern und dafür zu sorgen, dass sie eine gute Ausbildung bekommen, meine inzwischen schwerkranken Eltern zu pflegen oder aber Menschen aufzumuntern und zu unterstützen, die Probleme hatten und Hilfe brauchten. Auch hatte ich merkwürdigerweise immer Partner, für die das Leben keinen Sinn mehr hatte und nicht wussten, wie es weitergehen sollte. Ich habe immer meine ganze Kraft und Energie hineingegeben, dass es diesen Menschen gut ging, ich wollte anderen HELFEN. Dabei war ich in Wirklichkeit immer auf der Flucht vor mir selbst, ich brauchte nicht zu mir hinschauen, und das hat viele Jahre lang funktioniert. Zwei Erfahrungen habe ich dabei gemacht:

  1. Man wird nicht mehr geliebt, wenn man seine ganze Kraft einsetzt bis an den Rand der seelischen und körperlichen Erschöpfung. Denn wenn Du dem anderen die Energie, die Du gegeben hast entziehst, um Dich um Dich selbst zu kümmern, ist die Beziehung sofort gestört.
  2. Man verliert sich selbst. Führt man über Jahre - oder wie ich Jahrzehnte - solch ein Leben, weisst Du am Ende nicht mehr, wer Du selbst wirklich bist.

Durch Umstände bin ich gezwungen worden, vieles loszulassen und nach innen zu gehen, und dort wiederzufinden, was ganz lange Zeit verschüttet war. Das Jahr 2007 war eins meiner ereignisreichsten Jahre: ich bezog meine lang ersehnte schöne Wohnung und bekam eine neue Arbeit mit sehr netten Menschen. Durch die innere Rückkehr zu mir selbst und die Konzentration auf mein eigenes Ich verlor ich aber auch Menschen, die ich sehr liebte. Faszinierenderweise (oder vielleicht ja auch logischerweise) treten zur Zeit immer mehr neue Menschen in mein Leben, die mich so schätzen und mögen, wie ICH WIRKLICH BIN, ohne dass ich dafür irgendetwas TUN müsste oder irgendwie SEIN müsste. Und die aus eigener Kraft leben (können), ohne meine zu benötigen.  Diese Erkenntnis, dass ich mich für Liebe, Zuneigung und Anerkennung nicht ANSTRENGEN muss, bereitet mir sehr viel FREUDE und gibt mir eine ganz neue Energie, die ich in dieser Form noch gar nicht kannte.

Ich werde mir jetzt selbst die Freude machen, an diesem herrlichen Tag hinauszugehen in die Natur und noch mehr Kraft zu tanken, die Sonne auf mich scheinen lassen und den strahlendblauen Himmel bestaunen. Das ist FREUDE PUR für mich.

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