Die Welt von oben
Jedes Jahr - am 4. Wochenende im August - findet in Neuss das traditionelle Schützenfest statt. Dazu gehört, dass mein Freund und ich samstags Abends auf den Kirmesplatz gehen, um Riesenrad zu fahren. Das hört sich jetzt für den einen oder anderen Leser sicherlich sehr spassig an, für uns beide jedoch ist dies eine alljährliche Mutprobe. Wir haben nämlich beide große Höhenangst, und steigen mit schweißnassen Händen und Grummeln im Magen in die Gondel ein.
Die erste Fahrt auf dem Riesenrad ist noch sehr unentspannt. Krampfhaft halten wir uns aneinander fest und trauen uns nicht, nach unten zu schauen. Bei der zweiten Fahrt ist das Ganze schon viel lockerer, da kann man schon mal loslassen und die Welt von oben betrachten. Und wenn wir dann nach einigen Runden aussteigen, dann sind wir glücklich.
Weil wir unsere Angst überwunden haben. Angst überwinden vor etwas macht glücklich, froh und stark. Anschließend ist man stolz auf sich selbst, dass man ”es geschafft” hat.
Weil die Welt von oben betrachtet ganz klein ausschaut. Die Vorstellung von uns selbst, wie winzig klein wir in dieser Welt eigentlich sind, wird auf einmal wieder ganz klar und deutlich. Wir überlegen uns: sind unsere Probleme wirklich so riesengroß, wie wir glauben? Wir sind doch nur winzigkleine Teilchen in einem unfaßbar großen Universum.
Sogar Riesenrad fahren kann meditativ sein, wenn man es bewußt tut!